Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde3 (1897) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
3 (1897) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Kleine Mittheilungen.

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der Eiche brannte ein Feuer, um welches die Opfergäste saßen. In grauer Vorzeit war der Quell,der aus der Eiche empor sprudelte, in mächtige, unbehauene Steine gefasst. Hoch von demGeäst des Baumes schauten gebleichte Pferdeschädel nieder, von alten Opferfesten herrührend;seltsam nahm sich daneben ein Kreuz aus, das an den Stamm genagelt war.>>

Das war zu der Zeit, als die alten Sachsen gewaltsam zur Taufe genöthigt wurden vomFrankenkönig Karl. Wir führen diese Stelle hier nur an, weil sie als sachliche Grundlagedienen kann, um die Benennung« Kirche» zu erklären, die nur zu jener Zeit entstanden seinkann, als Heidenthum Glossar ::: zum Glossareintrag  Heidenthum und römisches Christenthum zusammenstießen.

Bemerkenswert ist das Ringförmige bei den alten Opferstätten, und noch heute nenntman an manchen Orten den Platz um die Kirche den Ring, z. B. in Böhmen, wo cirkev so vielals Kirche bedeutet.

Zur Zeit des hl. Bonifacius

schreibt G. Freytag in den« Ahnen» I, 478

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lagerten

am heil. Walde die heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischen Sorben nahe dem Gipfel, welcher den Opferstein des Donnerersträgt. Um diese Opferstätte schlossen sie ihren Ring( circus), das war ihre Kirche und dieseStätte ward der Taufstein, der christliche Taufring.

Bei den Colonistenwanderungen der germanischen Stämme wurde über dem Opfersteinedie christliche Kirche mit ihrem Chor, Altar und Taufstein gezimmert und daneben wurde aufhohem Gerüst die Glocke aufgehängt, vor deren Geläut sich die Geister der Landschaft fürchtensollten. Besteht nicht noch heute der Volksaberglaube, dass die Glocken den Donnerer( beimGewitter) fern halten?

Neben dem Baumcultus, der Schlangenverehrung u. a. war in dem vorchristlichen Zeit-alter besonders der Steincultus verbreitet. Im keltischen Europa sagt Peschel( S. 248)begegnen wir den Steinkreisen als Andachtsstätten und Steintische dienten als Opfer-stätten. Noch im J. 567 musste ein Concil in Tours den Kirchenbann gegen die Fortsetzung desSteindienstes androhen, ja in England ergiengen solche Verbote im 7. Jahrh. vom Erzbischof vonCanterbury, im 10. von König Edgar. Verzeihlicher wird in unsern Augen diese Verirrung,wenn die Andacht sich auf Bergspitzen erstreckt. Wir denken dabei vielleicht an die Heiligungdes Olymps als Sitz der epischen Götter oder des Sinai als Berg der Gesetzgebung. Reisendewerden gewiss beobachtet haben, dass in dem südlichen, besonders von Wenden vormals bewohntenÖsterreich die Kirchen und Kapellen mit Vorliebe auf die Höhen gebauet sind; auch in Freien-stein bei Trofaiach( Steiermark) ist dies der Fall. Bei Kirchstein in den bayrischen Alpen liegenviele Felsblöcke. Solche Findlinge, in deren Mitte ein Altarstein sich befindet, sind die ältestenHeiligthümer und deshalb Versammlungsorte, die dann im Mittelalter als Hexentanzplätze galten.

Wäre der Begriff Kirche von Rom aus zu uns gekommen, so würde das Wort, wie inItalien und Frankreich an ecclcsia erinnern( ital. chiesa, frz. église). Bei Franken und Angel-sachsen musste das fremde Wort Kirche schon ganz fest sein, als sie unter die Gewalt der lat.Kirchensprache kamen. Es war so volksthümlich eingewurzelt wie das heimische Ostern, dasdurch das biblische Passah( ital. Pasqua) nicht mehr zu verdrängen war. Am wahrscheinlichstenist, dass<< Kirche» für christliches Gotteshaus von den angelsächsischen Missionären zu uns gekommenist der Platz, wo sie landeten, wird jetzt noch Dünkirchen genannt.

Bei der Untersuchung über das Wort Kirche kommen am meisten die Angelsachsenin Betracht, bei denen erst zu Ende des 6. Jahrh. das Christenthum Eingang fand, doch war dieangelsächsische Kirche bis auf Dunstan im 10. Jahrh. von Rom unabhängig. Die angelsächsischeNationaleigenthümlichkeit hat sich in Sprache und Gebräuchen erhalten, wie Kembte und Lappen-berg nachgewiesen haben, und« Kirche» ist noch heute im Englischen<< church».

Die Gestaltungskraft dieses Volkes zeigt sich nicht bloß im Nationalepos Beowulf, sondernauch in christlicher Richtung. In Beda besaßen sie einen Gelehrten ersten Ranges. Aus diesemBildungskreise gieng Winfried( der h. Bonifacius) hervor, der zwar ein Vorkämpfer für Rom war,aber bei weitem nicht die Bildung eines Beda oder Kädmon besaß. Karl dem Großen stand derAngelsachse Alkuin zur Seite, wie denn überhaupt von Norden her aus dem Volke der Angel-sachse viele als Lehrer der Fürsten, Bischöfe und Laien auftraten. Den englischen Mönchen ver-dankt man die kirchliche Bildung des Mittelalters, aber die fränkische Hinneigung zur römischenGestaltung des Christenthums vereitelte die innigere Auffassung desselben von Seite der nördlichenDeutschen( Germanen). Von diesen aber gieng später die Reform aus, so dass ein germanischesChristenthum gegenüber dem römischen in Mitteleuropa sich festsetzte. Was Luther und Zwingli