Aus dem Volksglauben von Sabbioncello.
Aus dem Volksglauben von Sabbioncello. ¹)
( Beiträge zur Volkskunde Dalmatiens.)
Von Dr. Oskar Hovorka, Edl. v. Zderas, Janjina.
( Fortsetzung.)
3. Geisterglauben.
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Vila. Die Vilen, Feen, gehören zu den« ausgestorbenen» Geistern,welche von der Halbinsel ausgewandert sind, seitdem man die Dörfer mitCapellen, Monstranzen und Glocken versah( als ein anderer Zeitpunkt wirddie Erfindung der Gewehre angegeben) 2). Heutzutage ist es eine Sünde,an Vilen zu glauben, obzwar sie mitunter ganz ausnahmsweise auf ihrefrüheren Tanz- und Tummelplätze wiederzukehren pflegen. Noch heutesagt man von einem Menschen, dessen äußere Erfolge man sich nichtanders zu erklären vermag: on je vilenski, er steht mit den Vilen imBunde, er wird von Feen unterstützt.
Die Vilen hatten die Gestalt von jungen Mädchen mit Eselsfüßen;sie besaßen langes, blondes, bis zu den Fersen herabreichendes Haar,welches sie mit großer Sorgfalt hüteten und mitunter von Menschen-kindern kämmen ließen. Sie giengen entweder ganz nackt oder nur miteinem Hemd bekleidet herum. Ihre Wohnungen waren Felsenhöhlen, undviele Höhlen, an welchen die Halbinsel ungemein reich ist, führen bisheute den Namen« vilenska špilja»( Feenhöhle), so z. B. eine solche beiPutnikoviće( Crna Gora), eine auf dem Hügel Gradina( bei Janjina), zweiNamens« u Obodu» und« u Kolundracima»( bei Prizdren, Gem. Kuna) etc. Insolchen Höhlen pflegt man große Steine zu zeigen und als die einstigenMittagstische, Stühle, Waschbecken( korita) der Feen zu deuten; mitunterfindet man ebendaselbst eigenthümliche Steinformationen, die als« vilenskasviča»)( Feenlämpchen) bezeichnet werden. Hätte man das Glück, einsolches Lämpchen zur richtigen Zeit aufzufinden( kad došlo nje vrime),dann würde sich der Stein in Gold verwandeln.
So wie einst zur Zeit, wo die Feen noch herrschten, kein Menschgewagt hätte, eine vilenska špilja zu betreten, ebenso pflegen die Vilenauch noch heute jene zu bestrafen, welche sie in ihrer Ruhe stören. EinMann, der zwischen Kuna und Trpanj¹) unterwegs sich während eines
¹) Die überaus freundliche Beurtheilung meiner beiden Aufsätze« Schlangenglauben» und« Gespensterglauben» in Bd. III. S. 54 ff., 84 ff. dieser Zeitschrift seitens der Agramer unddalmatinischen Presse hat mich veranlasst, den vorliegenden Nachtrag folgen zu lassen, den ichin derselben Weise, wie früher, d. h. so, wie ich die Berichte hörte( natürlich geordnet undkritisch gesichtet), wiedergebe.
2) Der Glaube an Vilen findet sich auf der Halbinsel wohl nur noch in seinen letztenResten vor. Man begegnet hier nicht jenen Heldensagen, welche anderwärts den Kern des Volks-gedankens über seine Vorfahren ausmachen; obwohl die Gestalt des Kraljević Marko hier nichtganz unbekannt ist, so steht die Frage offen, ob sie der thatsächlichen Volksüberlieferung( Bogo-milen?) entstammt oder etwa durch die Lectüre von modernen Büchern importiert wurde.
3) Fast allgemein stehen hier noch die uralten Öllämpchen im Gebrauch, ähnlich jenenin den Bergwerken.
4) Auf der Halbinsel gibt es folgende fünf Gemeinden: Ston( Stagno), Janjina, Kuna,Orebić, Trpanj( Trappano).