Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde3 (1897) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
3 (1897) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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15. Habichtbann.

Kleine Mittheilungen.

Man geht vor Sonnenaufgang am Charfreitag auf die vor dem Hausegelegene Wiese, versehen mit einem Eichenpfosten und einer Axt, haut dann nach Osten sichwendend mit drei Schlägen das Holz in die Erde und wirft, ohne umzusehen, das Beil oder dieAxt weg.Erst nach Sonnenaufgang darf man die Axt wieder holen. Ist alles richtig gethan,hat der schädliche Einfluss des Habichts auf das Geflügel aufgehört.

16. Gichtbann. ¹) Die schmerzende Stelle muss durch sechs Tage hindurch mit dem drittenFinger jeden Tag dreimal überstrichen werden. Der Zauberer spricht dabei Folgendes:« Gicht,Blut, Schwinden zwischen Haut und Haar, zwischen Fleisch und Blut, zwischen Mark und Bein,Gicht, Blut, Schwinden, du vergeh' und kehre nicht mehr ein im Namen der allerheiligstenDreifaltigkeit.» ttt

17. Gegen Kreuzweh. Beim ersten Donnerwetter im Jahr lege man sich in's Grasund wälze sich.

18. Gegen Zahn- und Kopfweh. Als Petrus Zahn- und Kopfweh hatte, sprach unserHerrgott zu ihm:« Warum so traurig?» Petrus antwortete:« Warum sollte ich nicht traurig sein,habe ich doch Zahn- und Kopfweh.» Darauf sprach der Herr:« Gehe hin zum Brunn, nimmWasser in den Mund, spei's aus in den Grund.>>

Jeder, der dies machen will, muss es dreimal thun und bei jeder Füllung des Mundesmit Wasser ein stilles Vaterunser beten.

19. Gegen Ausschlag. Wer Ausschlag hat, muss am Charfreitag vor Sonnenaufgangzur Quelle gehn, die betreffende Stelle mit Wasser waschen, dann wird er finden, dass das Wasser,mit dem er sich gewaschen, rein bleibt und der Ausschlag vergeht.

20. Fieber vertreiben. Von einem Erhängten schneidet man aus einer unnennbarenStelle ein Stück Fleisch ab, dasselbe wird gebrannt, zu Pulver zerrieben und dem Fieberkrankeneingegeben.

21. Sympathiemittel. Fieber, Bleichsucht und Gelbsucht heilt man, indem man denKranken um seinen Namen fragt, ihn auf einen Zettel schreibt, diesen im Walde vergräbt, sichdarauf setzt und ein Gebet verrichtet.

Kopfweh vertreibt man, indem man den Kopf mit einer Schnur misst und einige Kreuz-zeichen über den Kranken macht. Nach drei oder vier Tagen fragt man, ob es gut sei.

Ausscheiben oder Fußverrenken. In R. hatte die Kuh eines Häuslers« ausgeschieben».Der Besitzer überbrachte dem Anwender die Kette, mit der die Kuh am Barren befestigt war.Die Kette wurde vom Anwender unter Gebeten stark« gereidelt»( gewunden), und die Kuh<< scheibte wieder ein>>.

22. Schicksalfragen. Schüttelt man am Thomastag unterm Aveläuten einen Baum,bellt darauf ein Hund, so heiratet man dorthin, wo der Laut des Hundes herkam.

23. Warum die Hechte das Leiden Christi am Kopf und die Forellen rothe Punkte amLeib haben, wird bei den Bauern auf folgende Art erklärt. Als Christus in den Fluss Kedronfiel, trat er auf einen Hecht, und seine Blutstropfen kamen auf eine vorbeischwimmende Forelle.

24. Woher kommen die rothen Eier an Ostern? Vom Leiden Christi bekamen dieHühner Blutstropfen zu fressen, daher legen sie an Ostern rothe Eier.

25. Am Charfreitag brennt man Kienfackeln an der Spitze an und steckt in einen Spaltderselben ein Reis vom Lebensbaum, welches am Markustag auf die Felder kommt.

26. Am Fronleichnamstag werden Kräutel- Kränze in die Kirche getragen und nachbeendigtem Umgang in die Speisekammer gehängt, damit im Haus kein Unglück geschehe.

Kindergebete.

Von Dr. Hans Schukowitz, Graz.

Entsprechend der leichten leiblichen Nahrung, welche das Kind in der ersten Zeit desLebens genießt, ist auch seine erste geistige leicht und wahrhaft kindlich. Analog der Bildungder zahllosen Kose- und Schmeichelwörter geht auch die Dichtung, oder besser gesagt, dieComposition unserer kleinen Kindergebete vor sich. Den Forschern der modernen Volkskundescheinen sie bisher nur geringes Interesse abgewonnen zu haben. Sie verdienen es aber so gut wie

1) Ähnlich in Tirol.