Literatur der österreichischen Volkskunde.
191
Folkloristen das frühere Verhältnis von Gutsherrn und Unterthan, die Anlage neuer Dörfer aufgutsherrlichen Gründen, die Sonderstellung der Freisassen, S. 37-102. Der XII. Abschnitt<< Das deutsche Volksleben im Plan- Königswarter Bezirke», ausgearbeitet von Michl Urban, be-handelt die Sprache, bezw. Mundart; die Volkstracht, die freilich« heute zum größten Theile derVergangenheit angehört( S. 108); die Wohnstätte mit dem häufig am Giebelfelde angebrachtenSinnspruche, von dem S. 139 einige Beispiele vorgeführt werden; das Volkslied mit mehrerenProben( S. 142-145) und den Tanz, zu dem gleichfalls Lieder ertönen( S. 143-148); Sitten undGebräuche, die, wie anderwärts auch, bei der Hochzeit und bei Begräbnissen den größten Antheilhaben; wir vernehmen auch von Todtehbrettern( S. 158), deren Cult aber hier nicht ein soallgemeiner und pietätvoller, wie höher im Gebirge, im Böhmerwald, ja in manchen Gegendenschon ganz verschwunden ist. Der schöne Abschnitt« Nun zum festlichen Jahre» behandelt Weih-nachten, St. Stephan, die Zwölf- Nächte, das Aprilschicken, Ostern, das Sonnenwendfest, denNikolai- Tag u. a.( S. 160-178);« Agrarische Gebräuche» machen den Schluss. Es folgen« Heimatliche Sprichwörter und Redensarten» und« Einige gebräuchliche Wetterregeln»( S. 182bis 188). Unter den« Sagen aus der Heimat»( S. 196-225) spielen jene, die sich auf die St.Anna- Kirche bei Plan beziehen, eine große Rolle; in der Lindenallee, die zu dem Gotteshauseheranführt, zeigt sich mitunter<< die weiße Frau». Die beiden Ansiedelungen Gibacht und Sieh-dich für am Ein- und Ausgange des westlich von Marienbad gelegenen Waldes erinnern in ihrenNamen an eine frühere Zeit voll Räuber- Romantik und Schauergeschichten. Auffallend ist, dassin die urdenklich deutsche Gegend von Sandau die alte böhmische Sage vom blinden Jüngling( slepý mládenec) nicht bloß Eingang gefunden, sondern sich, wie der Verfasser S. 219 versichert,bis auf den heutigen Tag erhalten hat.J. A. Frh. v. Helfert.
Bezirkes.
12. Carl Alberti: Über die Bedeutung der Kreuzsteine, insbesonders des AscherEin Beitrag zur Heimatskunde, Asch 1897, Selbstverlag des Verfassers.
Unter dem obigen Titel hielt Herr Bürgerschuldirector C. Alberti aus Asch im« Vereinfür egerländer Volkskunde» am 14. April d. J. in Eger einen sehr interessanten und mit leb-haftem Beifall aufgenommenen Vortrag( vgl.« Unser Egerland» Nr. 3), der nun in dieser kleinenBroschüre im Drucke erscheint. Verfasser beschreibt zunächst 15 Kreuzsteine des Ascher Be-zirkes( Seite 1-19), erwähnt dann auch einige egerländer Kreuzsteine und erörtert schließlichdie Bedeutung dieser Steine( S. 25-41), wobei er auf Mord- und Sühnkreuze, Hagel- und Wetter-kreuze, Grenzkreuze, Weg- und Wallfahrtskreuze zu sprechen kommt. Im Schlusscapitel ent-scheidet er sich betreffs einiger Ascher Steine dahin, dass sie vielleicht Grenzsteine des Ordensder Deutschherren gewesen sein könnten. Die kleine Studie darf als ein ansprechender Beitrag zurLösung dieser Frage begrüßt werden und wird auch auf die bereits im Egerland vom« Vereinfür egerländische Volkskunde» eingeleitete Enquête anregend wirken.Alois John.
Sprechsaal.
Wettertrompeten. Herr Dr. Oscar Hovorka Edler v. Zderas schreibt:< In Bezug auf die Notiz über eine Wettertrompete in Böhmen, von welcher in der Zeit-schrift für österreichische Volkskunde II, S. 127 f, die Rede war, gestatten Sie mir die Be-merkung, dass ich bei meinem Aufenthalte in Slawikau bei Klattau von einer solchen hörte, siejedoch nicht zu Gesicht bekam. Sie wurde mit einem Hügel namens Babi pupek in Be-ziehung gebracht.»>
Krippen.
Herr Lehrer Karl Gerlich in Prerau schreibt:« Auf die Anfrage indieser Zeitschrift II, S. 381 bezüglich volksthümlicher Krippen bin ich in der angenehmen Lage,von zwei solchen Krippen oberflächlich berichten zu können. Diese sind wegen vorgerückter Zeit( 26. Jänner) bereits wieder abgetragen; ich kann also Details nicht angeben; früher habeich mich weniger darnach umgeschaut. Eine derselben befindet sich im hiesigen Kloster, zahl-reiche unbewegliche Figuren, viele Gebäude mit Spiegelfenstern sind mir noch in Erinnerung; dieLänge beträgt gegen 3 Meter. Eine zweite ist im Představlka- Kloster in kleinerem Maßstabe.Näheres vielleicht zu den nächsten Weihnachten, wenn noch erwünscht.>>