Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde3 (1897) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
3 (1897) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Der Rogou.

Ethnographische Chronik aus Österreich.

Aus dem Untergailthale Kärntens.

Von Franz Franziszi.

I 21

Eine höchst originelle Einladung zum Brechlermahl bei den GailthalerSlowenen ist der Rogou, d. i. eine Holzgabel oder ein Fichten wipfelchen, auf welchem allerleiSachen, z. B. Cigarren, Lebzelten, Tabakpfeifen, Cigarrenspitzen, Geldtäschchen angeheftet werden.Diesen Rogou sendet die Tochter des Hauses, in welchem das Brechlermahl stattfindet, ihremLiebhaber( oder Bräutigam). Wenn er den Rogou annimmt, hat er die Verpflichtung, mit einemSpielmann und den Burschen der Ortschaft zu kommen, damit die staubige Arbeit und dasBrechlermahl mit einem flotten Tanzkränzchen beschlossen werden.

< Ausihatzen.>> Wenn eine missliebige Gitschen( Mädchen) aus dem Dorfe in eineandere Pfarre hinausheiratet, wird sie mit einem« Schappstroh» und alten« Zoten»( Tuchlappen),die hinter dem Brautzug auf einem nahen Hügel angezündet werden,< ausig'hatzt».

III. Ethnographische Chronik aus Österreich.

Wir

Sammlung der volksthümlichen Überlieferungen in Deutschböhmen.haben auf dieses wichtige und verdienstvolle Unternehmen, dass die Gesellschaft zur Förderungdeutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen in's Werk gesetzt und dessen Leitungsie den bewährten Kräften des Herrn Univ.- Professor Dr. Adolf Hauffen in Prag übertragenhat, in dieser Zeitschrift I, S. 85 ff., bereits mit gebührender Anerkennung aufmerksam gemacht.Vor kurzem veröffentlichte nun Prof. Dr. A. Hauffen seinen dritten Bericht über den Fort-gang seiner Sammlung, dem die nachstehenden Mittheilungen entnommen worden sind.

Mit der im Jahre 1896 erfolgten Verbreitung des von Dr. Hauffen ausgearbeitetenFragebogens im ganzen nördlichen und östlichen Böhmen ist nunmehr die Vertheilung desselbenüber ganz Böhmen erfolgt. In sämmtlichen 47 deutschen Landschulbezirken Böhmens ist dieLehrerschaft durch Vermittlung der Bezirksschulsinspectoren zur Mitwirkung herangezogen worden.Da als Frist für die Einlieferung der Beantwortungen des Fragebogens und der Material- Ein-sendungen der Zeitraum eines Jahres angegeben wurde, so ist zu erwarten, dass die Hauptmasseder Beiträge spätestens während des Jahres 1898 einlaufen wird. Ob auf diesem Wege die schonlang geplante umfassende Darstellung des Volksthums der deutschen Stämme in Böhmen möglichsein wird, lässt sich heute allerdings weder versichern, noch bezweifeln; es ist aber mit Sicherheitzu erwarten, dass der tüchtige und rührige Leiter des Unternehmens, Dr. Hauffen, der sich inseiner vor Kurzem erschienenen« Einführung in die deutsch- böhmische Volkskunde nebsteiner Bibliographie» ¹) eine so verlässliche Grundlage hiezu geschaffen hat, alles aufbieten wird,dieses großartige Werk in einer der Wissenschaft entsprechenden Weise in absehbarer Zeit zurVollendung zu bringen.

Von den Einläufen des Jahres 1896 hebt Hauffen die Einsendungen eines 84jährigenGreises, Georg Blau in Neuern, des Schulleiters J. A. Taubmann, des Oberlehrers G. Sper,des Oberlehrers Raimund Maras in Schossendorf u. v. a. hervor. Im Allgemeinen bemerkt erdazu:« Einzelnes darunter ist vom ästhetischen oder geschichtlichen Standpunkte aus überauswertvoll, der überwiegende Theil wird seinerzeit einen vollständigen Abdruck verdienen. Amreichsten ist bisher in den Sammlungen das Gebiet der Volkspoesie. Zu wünschen wäre noch,dass die tägliche Lebensweise und ständige Umgebung der Landleute( die den meisten Aufzeichnernzu unscheinbar und gewöhnlich dünkt) eingehender berücksichtigt würde, dass öfter als es bisherder Fall war, die alten Bauernhäuser in Abbildungen und Plänen, die Einzelheiten des Hausrathes,der Möbel, Küchengeräthe, der Verzierungen am Giebel, an den Fensterläden u. a., die einfachenoder künstlicheren Erzeugnisse der Volksindustrie in colorierten Zeichnungen und genauen Beschrei-bungen vorgeführt würden.»

1) Eine Besprechung dieses wichtigen und inhaltreichen Buches folgt nächstens.