Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde3 (1897) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
3 (1897) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

Literatur der österreichischen Volkskunde.

95

Križišče, eine Stelle, an der sich Wege kreuzen.« Laringa» werden große Gastmäler anlässlichder Namenstage, Primizen, Hochzeiten u. s. w. genannt. Die Erklärung aus dem Deutschen<< dieLadung, Ladschaft» ist mir unwahrscheinlich; zum mindesten ist zur Erklärung des Übergangesvon d in die Berufung auf máringa, das von maninga( Meinung) abstammen soll, falsch,denn das Wort geht wie viele andere( s. Miklosich, Etymol. Wörterb. s. v. marĭnů) auf ahd.mâri zurück. Die Abenddämmerung( mrak) soll einem unbedeckten Kopf besonders schaden.Kinder, die die Dämmerung in ihre Gewalt bekommen hat( ki se jih mrak prime), schlafen un-ruhig und haben böse Träume. Nach dem Ave Maria Läuten sollen die Kinder nicht in derDämmerung herumgehen oder zum mindesten etwas auf den Kopf nehmen, damit sie die Dämmerungnicht angreift( da se jih mrak ne prime); mraki( pl.) heißt auch eine Kinderkrankheit( s. Pleteršnik,Slovensko- nemški slovar, 608).« Provne» heißt die Nachhochzeit, die am ersten Sonntag im neuenHause der Braut abgehalten wird. Die Mittheilung, dass sich dabei die junge Hausfrau zum erstenMal als Köchin erweisen müsse, brachte den Sammler auf die Erklärung, dass provne( prv- i, dererste primitiae culinariae sind. Das beigebrachte sprachliche Material bestätigt die Erklärung.Das einen bevorstehenden Tod im Hause verkündende Anzeichen heißt rok; man sagt: rok jebil( ist gewesen), rok smo slišali( haben wir gehört). Als solche Anzeichen gelten den Leutengewöhnlich erst nach dem Tode: starker Lärm während des Nachtmahles, als ob in der Kücheoder in der Holzlage alles zusammenfallen oder die Flurthür knarren würde, das Stehenbleibeneiner aufgezogenen Uhr, das Erlöschen des Lichtes ohne sichtbaren Grund. Rok gehört zumVerbum reči( rek+ ti, sprechen), also Schicksals spruch. Der Verfasser vergleicht fatum vonfari. Hinzuzufügen wäre: urok, das Beschreien, vurčiti, zvurčuti( sprich vürčiti, denn die Beispielestammen aus der. Steiermark) aus uročiti, beschreien( Miklosich, Etymol. Wörterb. 274). DerPlatz vor der Kirche, in dessen Mitte gewöhnlich eine Linde steht, heißt sejmišče( asl. sūnĭmište).Das übliche Wort für Markt sejem heißt aber auch Kirmes und Kirmesschmaus, ja sogar diedem Geladenen mitgegebenen Speisen führen diesen Namen. Auch ein Verbum sejmovati( Kirmesfeiern) wurde gebildet. Die Hand zum Gruß, zum Zeichen der Freundschaft darreichen heißtsrečo dati( Glück geben, s. v. sreča). Zu vergleichen wäre der in vielen Gegenden üblicheGruß svečno!( glücklich, Glück auf), srečni ostanite( bleiben sie glücklich!). Als Patronin derSpinnerinnen gilt die hl. Gertrud( Sveta Jendert, S. 42). Spinnerinnen, welche ihr Fest nichtfeiern, fressen die Mäuse das Gespinst. Über das Schmarotzen bei Hochzeiten s. šeškalica( inanderen Gegenden prežanje). Das Allerheiligen- und Allerseelenfest heißt bei den Poljanci vahti( pl. f.). Der Verfasser erklärt sich mit Recht gegen die Ableitung aus dem deutschen Weih tagund setzt vahti= vigiliae, also aus dem deutschen Wacht. Das entspricht den besonders ge-feierten Vigilien vor dem Allerseelentag. Auch gebraucht man noch in vielen Gegenden als Aus-druck für Todtenwachen: mrliča vahtajo. Ein unerklärter Ausdruck für Amulet wird unterzdevsk( s. m.) angeführt.

=

Über zweierlei Art des Ackerns und der Pflüge wird man unter plèh( aus demahd. plëh) belehrt: na pleh orati blachackern, glattpflügen, na lêhe orati= beetpflügen.Das Blachackern ist auf hügeligen Äckern und auf Neubrüchen üblich, das Beetpflügen aufebenem Felde. Plehno drevo( Holz)=

-

Leitenpflug, lehno drevo= Beetpflug.

=

Für die socialen Zustände sind charakteristisch die Ausdrücke kos kruha( StückBrot) der Altantheil, das Ausgedinge, kót= die Auszüglerwohnung, das Koth, kotar=der Auszügler, Köther, Kothsass, liberga Ausgedinge, die Urkunde über das Ausgedinge.Pintar erklärt das letzte Wort mit Recht aus dem deutschen Lieferung, was auch die Iden-tificierung von kot mit dem deutschen Koth stützt, mag auch das Volk selbst heute meist andas einheimische köt( Winkel) denken.

Sehr wertvoll ist die Fortsetzung der Studien Jos. Apih's über die Gründung derVolksschule in den slowenischen Ländern.¹) Auf Grund der Acten werden die Schulzuständeim Küstenland, in Steiermark und Kärnten zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia und Josef II.geschildert, worauf allgemeine Erwägungen und eine Skizze des slowenischen Volksschulwesensbis zum Jahre 1805 folgen. Der Wiener Canonicus Jos. Spendov, der seit 1788 als General-director des Volksschulwesens die Seele desselben in ganz Österreich bildete, war ein gebürtiger

1) Ustanovitev narodne šole na Slovenskem. II. del. Letopis Matice Slovenske za1. 1895, S. 146-233. Vgl. Zföv. I, 370.