Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde3 (1897) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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3 (1897) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Hovorka.

Allerlei.

Als Beweis jungfäulicher Unbeflecktheit und reiner Keuschheitgilt, wenn ein Mädchen ein eben erloschenes, noch glimmendes Lichtwieder zum Brennen anbläst, oder ein bis an den Rand vollgefülltesGefäß( Glas oder Tasse) vom Tische weg an den Mund führt, ohne einenTropfen der Flüssigkeit zu verschütten.

Man soll die Thüren nicht zuwerfen, den Brodlaib nicht auf dieOberseite legen, Brodkrumen und Brosamen nicht wegschütten, sondernsie im Herdfeuer verbrennen, sonst leiden die armen Seelen.

Man kann sich unsichtbar machen, wenn man die Kopfhaut seinesbesten verstorbenen Freundes als Kopfbedeckung trägt.

Wenn einem jungen Manne kein Bart wächst, bestreiche er seinGesicht mit Taubenkoth, und Bart wird ihm wachsen.

Wenn man etwas auswendig lernen will, lese man es abendseinmal durch, lege das Buch unter das Kopfkissen, auf dem man schläft,und man wird des Morgens alles gut wissen.

Von einer Frau, die im Wochenbette liegt, sagt man, sie reisenach Rom.

Der erste Ausgang einer Wöchnerin nach ihrer Entbindung er-folgt mit dem Kinde in die Kirche, wo das sogenannte Vorsegnen oderdas Einsegnen durch den Priester geschieht. ¹)

Ein kleiner Rest Wein in der Flasche oder im Glase heißt« die Alte>>.« Bundschuh» ist Schimpfname für einen geistig sehr beschränkten

Menschen.

Wer viel Bier oder Wein trinkt, ist ein Bier- oder Weinluzel».Wauwau oder Moanmoan sind Schreckgespenster für Kinder.Die Holzleiste an dem Tische, auf welche man die Füße setzenkann, heißt« der Vergeltsgott».

« Tripstrill» ist ein scherzhafter Name für den Ort Nirgendwo( Utopia).

Aus dem Volksglauben von Sabbioncello.

( Beiträge zur Volkskunde Dalmatiens.)

Von Dr. Oskar Hovorka Edler v. Zderas, Janjina.

1. Schlangenglauben.

Obwohl auf der Halbinsel Sabbioncello( Pelješac) nur zwei giftigeSchlangenarten vorkommen, und zwar die Kreuzotter( Pelias herus) unddie Sandviper( Vipera ammodytes), so halten dessenungeachtet die Be-wohner alle Schlangen für mehr oder minder giftig und empfinden vorjeder Schlange überhaupt große Furcht und unüberwindlichen Ekel. Ein

1) Dieses Vorsegnen oder Einsegnen der Wöchnerinnen bei ihrem ersten Kirchgangenach der Entbindung kommt jetzt noch als erhaltener Rest aus der katholischen Zeit in einigen,längst evangelisch gewordenen Orten Holsteins vor.( Jahrbücher der Herzogthümer Schleswig,Holstein und Lauenburg IX. 122 f.)