Ländliche Kerbschnittkunst in Österreich.
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den meisten Fällen; wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir es hiermit Laienarbeiten zu thun haben, die auf den Namen eines Kunstwerkeskeinen Anspruch machen.
Die Vorliebe, mittelst Kerbschnittschmuckes das Haus und seinGeräth anheimelnder zu gestalten, erstreckte sich aber ehedem noch vielweiter. Da ist zunächst der ehrwürdige hohe Wandschrank zu erwähnen,dessen zwei Flügelthüren mit zierlichen, nicht selten auch bemalten Blumenförmlich überladen sind, hernach die Kleidertruhen, soviele an der Zahl,als das Gesinde Köpfe aufwies, ferner der« Gwandrechen», dann dasHimmelbett und die Wiege( 38), der Betstuhl( 40), die« Ahnlbank» imOfenwinkel und die Gutsche.¹) Aber auch kleinere Geräthe und dersogenannte Luxustand wurden gern durch Kerbschnitt verziert: Schmuck-cassetten, Dosen( 39), Handspiegel( 41), Spinnräder, Nadelbüchschen( 42), Gewehrkolben u. s. w. In einem Badeorte Schlesiens fandich in einer Bauernstube einen geradezu künstlerisch ausgestatteten« Stiefelhund»( Stiefelknecht), der neben formvollendeten Kerbschnitt-mustern auch das Sprüchlein« Halt dich, oder ich tret dich» einge-schnitten hatte.
Halten wir ferner in Küche, Keller, Vorrathskammer, Werkstätteund Scheune des Bauern Umschau, so begegnen wir auch hier mannig-fachen Erzeugnissen dieses Hausfleißes. Es mundete einem besser, konnteman sich bei« Mahlzeiten» eines« geschnitzten» Besteckes bedienen( 43). Der Laib Brot, als die nothwendigste Gabe des Himmels, wurdeauf einem reich verzierten Holzteller dargeboten( 44). Nicht seltensind auch Löffelrahmen, Kufen, Eimer u. s. w. mit allerlei Schnittzierat aus-gestattet. Und weil man just auch am Speisetische Zeit hat, über einenguten Spruch ein wenig nachzusinnen, so pflegte man mit Vorliebe inTischplatten, Holzschüsseln, Präsentierteller, Essgeräthstiele und ähnlicheskräftige Haussprüche einzuritzen( 43, 44) und, falls es der Raum er-laubte, irgend ein heiteres oder ernstes Emblem beizufügen( 43.) Aufähnliche Weise wurden früher auch Feldgeräthe, mit Vorliebe die Sense,der Rechen und der Dreschflegel decorativ ausgestattet und nicht seltenmit dem Namen des Besitzers bezeichnet.( Vgl. 45).
Große Sorgfalt und Mühe verwendet man ferner bis heute nochauf eine gefällige Ausschmückung von Fässern. Ehedem lag diese Kunst-übung nicht in den Händen eines Bindermeisters, sondern ein des< Schnittes» besonders kundiger Bauer, dessen sociale Stellung ungefährjener des sogenannten Bauernchirurgs entsprach, gieng von Keller zuKeller und bot seine Kunst den Kellereibesitzern an. Er besorgte durchDecennien die Fass- Decoration und unterwies in derselben irgend einengelehrigen Schüler, meist seinen Sohn, der dann nach derselben Schabloneweiter arbeitete. Als ich vor Jahren das niederösterreichische Weinland
¹) Gutsche nennt man in Oberösterreich und Tirol( auch in Schwaben) dienischenförmige Liegestatt in der Ofenwand, deren Prototyp der offene Bettkasten ist; sie ist drei-schläfrig und mit Heu gefüllt. Das äußere Flankenbrett ist meist mit bunter Kerbschnittarbeitgeschmückt.