Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde3 (1897) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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3 (1897) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde.

herrschen; mein alter( verlorener) Mann ist zurückgekehrt, an ihn bin ich gewöhnt, mit ihmwerde ich leben und regieren bis zum Tode.>>

Das Märchen<« vom Burschen, der Schafe weidete»( Nr. 10, 11), erzählt von drei armenBrüdern, die in die Welt ziehen, der Wagner und Kohlenbrenner nach der einen Richtung, derSchneider nach der anderen. Dieser verdingt sich bei einem Grafen als Schafhirt, schlägt einemheidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischen Riesen durch Muth und List die Köpfe( einen, zwei, drei) ab und geht einmal inSilber, dann in Gold- und zuletzt in Diamantkleidern zur Messe und gewinnt so als der schönstePrinz die Liebe einer Königstochter. Als er nachhause kommt und dem Vater ein Schreiben desKönigs befiehlt, Hochzeitsvorbereitungen zu treffen, wird er von den beiden Brüdern in einenSchweinstall gesperrt, weil er närrisch sei und« keine Manier kenne». Er macht sich frei, ge-berdet sich zuerst vor den Hochzeitsgästen wirklich als Bauer, spielt aber dann würdevoll denBräutigam und den neuen König.

Einige Räthsel werden im Kalender der Hermagoras- Gesellschaft¹) in Klagenfurtdieser großartige Volksbildungsverein zählte 72.097 Mitglieder veröffentlicht. Aus Levstik'sWerken verdient der Nachweis hervorgehoben zu werden, dass die in Megisers« Paraemiologia>>( erschienen 1592 in Graz, 1605 in Leipzig) stehenden Sprichwörter nicht slowenisch, sondernkroatisch sind.²)

Eine sehr gute Studie lieferte Jos. Benkovic) über die slowenischen Kalender.Der erste, eine Bearbeitung des Melanchton'schen, erschien 1557 als Beilage des Neuen TestamentsP. Truber's, 1582 wurde er separat gedruckt. Im 17. Jahrhundert werden keine verzeichnet.Eine« Nova Crainska Pratica» erschien wieder 1725 und wurde in Augsburg gedruckt. Einewiger Kalender erschien in Laibach zum ersten Mal 1789; im Jahre 1795 gab aber der DichterVodnik auf Betreiben des großen Volksfreundes Baron S. Zois den ersten auch höheren Bedürfnissen-genügenden Kalender heraus. Seit 1845 ließ der Begründer der Zeitung« Novice>> Dr. J. Bleiweisauch auf Anregung eines großen Gelehrten, des Slawisten B. Kopitar, einen ähnlichen Kalendererscheinen. In der Studie wurde auch der alten Kalender auf Holztafeln gedacht, was zurFolge hatte, dass ein solcher aus dem Jahre 1783 auf der Vorder- und aus dem Jahre 1784 aufder Rückseite im Franciscanerkloster in Rudolfswerth ausfindig gemacht und auch abgebildet³) wurde.Da im Slowenischen auch die Neujahrs- Sänger und Musikanten einen von calendae ab-zuleitenden Namen( Koledniki) führen, so bemerkt der Redacteur, wie das« Koledovanje» nochin seiner Heimat, auf den Bergen um Idria herum, üblich ist.")

Einen sehr interessanten Brauch aus Krain rief Andrej Mejač) in Wort und Bild insGedächtnis zurück. Valvasor( Ehre des Herzogthums Krain, VII. Buch, 472-473) erzählt vonKerzen- Singern, die gleich den Stern- Singern in Deutschland, von Nicolai bis Lichtmess herumgiengen um Spenden für große Wachsstöcke( slow. stavnice)) sammelten, die schön auf-geputzt am Lichtmesstag besonders feierlich von der ganzen Gemeinde in die Kirche gebrachtwurden. Der Brauch erhielt sich in Oberkrain bis in das erste Viertel des 19. Jahrhunderts, ineiner Pfarre( v Koménski župniji) bis 1850. Schon Valvasor berichtete, dass zwischen deneinzelnen Gemeinden große Eifersucht herrschte, so dass es zu Schlägereien, aber auch zu anderenMissbräuchen kam. Die Vermuthung des Verfassers, dass der Brauch infolge dessen verlorengegangen sei, wurde bestätigt, denn es fanden sich zwei Verordnungen des Bischofs von Laibachaus den Jahren 1804 und 1805, die ihn direct verbieten.$)( Schluss folgt).

1) Koledar družbe svetega Mohorja za leto 1896( erschienen 1895).

2) Levstikovi zbrani spisi, V. 254–257.

3) Slovenski koledarji in koledarniki. Dom in Svet, 25 ff.

4) Ibid. 786.

5) Ibid. 27.

6) Ibid. 90-92. Das Bild( S. 91) stellt im Verhältnis zu Valvasor einen modernisiertenWachsstock vor, aber mir ist es nicht klar geworden, woher es stammt.

7) Das Wort<< stavnica» ist noch heute in Oberkrain in der Bedeutung Stangenlaterneüblich. Letopis M. Sl., 1895, S. 42.

Izvestja muzejskega društva za Kranjsko, S. 46–47.

Schluss der Redaction: 15. Februar 1897.

Druck von Gebrüder Stiepel in Reichenberg.