Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde3 (1897) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
3 (1897) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

30

Literatur der österreichischen Volkskunde.

riesigen Feueraugen daselbst herumgetrieben haben. Andere wollen eine große weiße Frau ge-sehen haben, welche die Vorübergehenden verfolgte.

Die Capelle in Krakovo¹) in Laibach soll die älteste christliche Statue in Krain bewahren.Dieses Relief der Mutter Gottes mit dem Jesuskinde gieng das Volk in früheren Jahren abschaben( Marijo strgat), um ein Heilmittel gegen Fieber zu erhalten. Unter dem Volke war der Glaubeverbreitet, dass diese Maria wachse. Einst war sie unter Glas, sei aber so gewachsen, dass sichder Kopf geneigt habe, was noch jetzt zu sehen sei.

Ein alter Laibacher Schutzpatron gegen Erdbeben, der hl. Venantius( Brev. Rom. 18maji), ist beim letzten Erdbeben schon ganz in Vergessenheit geraten. 2)

S. Rutar belehrt uns in seinem Aufsatz« Schloss und Herrschaft Luegg», dass derälteste Name Laforam( d. h. La Forame) und die deutsche Namensform eine Übersetzung desslowenischen« Jama» sind.³)

M. Slekovec lieferte eine topographisch- historische Skizze über das Schloss Wurmberg')bei Pettau in Steiermark, an das sich slowenische Sagen vom Lindwurm und einem mytholo-gischen Wesen« Krsnik» 5)( unter anderen wird gesagt, wenn es ohne Donner blitzt: Krsniki setepejo, d. h. Krsniki prügeln sich) knüpfen.

Von der Anzeige des Werkes A. Hauffen's« Die Sprachinsel Gottschee» verdient die im< Dom in Svet») Beachtung.

Der Recensent, der dem Verfasser im vollen Maße gerecht wird, meint, dass der Reimin den Volksliedern der Gottscheer auch deshalb verloren gegangen sei, weil sie überhaupt wenigsingen; aus demselben Grunde hätten sie auch wenig slowenische Volkslieder entlehnt.WasS. 98-99 von den Schlangen erzählt wird, ist auch den Slowenen bekannt, ebenso die S. 110mitgetheilte Legende von Wetterpropheten. Von den Schilderbürgerstreichen, die den Hornbergernzugeschrieben werden, werden Nr. 1, 3, 4, 7, II, 22, 24 auch von den slowenischen Reifnitzernerzählt, allgemein bekannt ist in Krain Nr. 12. Der Vergleich mit den slowenischen Volksliedernist nicht vollständig, aber man kann es dem Verfasser nicht zumuthen, dass er in allen möglichenslowenischen Zeitschriften und anderen minder zugänglichen Publicationen das Material suchensollte. Bezüglich der slowenischen Sitten und Gebräuche war ihm jedoch verlässlicheres Materialals das von F. S. Krauss leicht zugänglich, namentlich das von S. Navratil in den Jahrbüchernder« Slovenska Matica». Ebenso wird mit Recht getadelt, dass er die slowenische Literatur überGottschee nicht berücksichtigte, namentlich die Aufsätze von J. Parapat, der doch Schröer geholfenund die beste Darstellung der Geschichte von Gottschee geliefert hatte( Letopis Matice Slovenske, 1874).A. Kaspret³) versichert, dass aus dem Landes- Archiv und noch mehr aus der fürstlichAuersperg'schen Fideicommisbibliothek sehr viel Material nicht bloß für die Geschichte, sondernauch für die Kenntnis der Sitten und Gebräuche und der socialen Zustände des Ländchens zuholen wäre.

Volkssagen, Erzählungen und Märchen hat Anton Kosi, Lehrer in Polstrau,in seiner Unterhaltungsbibliothek für die slowenische Jugend veröffentlicht.9) Auch eine Volks-legende hat der Herausgeber zu seiner im Vorjahre erschienenen Sammlung( Narodne legende)nachgetragen.1") Die Beiträge stammen offenbar meist aus Steiermark; es wäre aber sogar einegenaue Angabe der Aufzeichnungsorte wünschenswert. Sprichwörter und Räthsel werden in allenHeften gebracht, sind aber nicht bloß der Tradition des Volkes entnommen.

1) Izvestja, S. 125-126.

2) Ibid. S. 209-210.

3) Mittheilungen des Musealvereines für Krain. Redigiert von Anton Kaspret. Laibach.1895. S. 3-4.

Jugend.

4) Vurbek. Ponatisek iz Slovenskega Gospodarja. V Mariboru. 1895. 8°. S. 40.

5) Vgl. Jos. Pajek, Črtice iz duševnega žitka štajerskih Slovencev, S. 77–82.

6) Dieser Zug ist bei J. Pajek nicht erwähnt, aber ich hörte davon sehr häufig in meiner

7) S. 94-95.

8) Mittheilungen des Musealvereines für Krain, S. 31-32.

9) Zabavna knjižnica za slovensko mladino. V Ljubljani, 1895. Natisnila Kat. Tiskarna.

I. Heft, S. 5-20, IV. Heft, S. 1421.

10) Ibid. IV., S. 12-14.