Zur Volkskunde der Steiermark.
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Sitte dahin aus, dass nach dem Abzuge der Türken von Graz( 1532) eingefangener alter Tartar von den Bewohnern der Stadt auf eine großeStange gebunden, durch die Stadt getragen und in der Kurlau mitFackeln, Prügeln und Steinwürfen getödtet worden sei; zum Andenkenan dieses Ereignis sei durch dritthalbhundert Jahre ein von Stroh undLumpen gebildeter Tartarmann alljährlich am Johannisabend in Grazverbrannt worden.³)
Am Tage des heil. Martin( 11. November) werden Festmahle abge-halten, deren letztes Gericht aus einer gebratenen Gans Martinigansbesteht.
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In der Andreasnacht( 30. November) können sich Mädchen ihrekünftigen Freier erscheinen lassen; sie erblicken sie auf den klaren Spiegelnder Gewässer.
Am Tage des heil. Nikolaus findet in Graz ein Markt statt, beidem auf einem bestimmten Platze Lebkuchen und andere Süßigkeiten,große und kleine Nikolo's in Gestalt eines Bischofs im Messgewande mitInful und Krummstab, weißem Haar und Bart, und« Barteln», Figuren inGestalt von Teufeln verkauft werden. Kinder stellen ihre Schuhe abendsvor die Fenster, bitten um Nikoleigeschenke und finden sie des Morgensmit Nüssen, Äpfeln, Zuckerwerk u. dgl. gefüllt. In manchen Häusernerscheinen auch als Nikolo und Bartl verkleidete Personen bei den Kindern,jener prüft sie aus dem Katechismus, belobt und belohnt sie, dieser drohtihnen mit Strafen, wenn sie unartig sind.
In der Christnacht werden vom Landvolke in den Pferde- undRinderställen Räucherungen vorgenommen, um Hexereien und Thier-seuchen abzuwenden.
Am Tage des heil. Johannes Evangelist( 27. December) wird inden Kirchen Wein geweiht, und von diesem in jedes Fass einige Tropfengegeben. Johannissegen, Johannisfrucht heißt auch das letzte und ge-wöhnlich beste Gläschen Wein, welches bei Gastmählern vor Beendigungderselben, oder den Gästen vor ihrem Weggehen eingeschänkt wird.
Am Tage der unschuldigen Kinder( 28. December) werden Lang-schläfer durch Ruthenstreiche aus den Betten getrieben mit den Worten:Frisch und g'sund! An diesem Tage gehen Kinder mit Ruthen auf denStraßen und in die Häuser, berühren die Erwachsenen damit und wünschenihnen Glück und Gesundheit für das ganze Jahr. 2)
In den Zwölfnächten, d. i. vom Christtag bis heil. Dreikönig er-scheint die wilde Jagd, das Gjoad( Gejaide), das sind die Bösen aus derHölle, sie fliegen um Mitternacht mit heftigem Lärm und Geschrei durchdie Luft, reißen alles mit, was ihnen unterkommt, tödten die Menschen,die ihnen entgegentreten; wer der wilden Jagd begegnet, kann sich nurretten, wenn er sich auf der Straße den Fahrgeleisen entlang zu Boden legt.
¹) Mehr darüber in meinem Aufsatze:« Die Einfälle der Osmanen in Steiermark> inden Mitth. d. hist. Vereins für Steiermark, XI. Graz, 1862, S. 242-248, auch in dem Vortragevon Küferbäck, ebenda XXII. Graz, 1874, S. IX- X.
2) Vgl. dazu Weimarisches Jahrbuch, VI. 281, 303.