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Schwarzbach.
Zaubersprüche und Sympathiemittel von der salzburgisch-oberösterreichischen Grenze.
Von Josef Schwarzbach( †), St. Georgen bei Oberndorf, Salzburg.
In meiner Nachbarschaft wohnt ein alter Sympathiedoctor, ein ab-getretener Bauer, der seine geheimnisvolle Kunst Menschen und Thierenzum Frommen ausübt. Wer die Verhältnisse auf dem Lande kennt, woDoctoren und Apotheker oft weit entfernt sind, der wird es möglichfinden, dass sympathetische Curen noch immer ihre Gläubigen haben. Seidas gerechtfertigt oder nicht, gewiss ist, dass, wenn den Patienten nichthie und da geholfen würde, sie ihren Arzt bald kaltstellen würden.
Wenn mich der Alte dann und wann besucht, dann lasse ich mirvon ihm erzählen, mache mir auch wohl Aufzeichnungen, und einigesdavon, sowie aus anderen Mittheilungen sei im Folgenden wiedergegeben.I. Wenn in einem Stalle Unglück einreißt und allesVieh krank wird.
Eine fremde, d. h. nicht zum Hause gehörende Person muss 3 Tagehintereinander das Vieh betreuen und folgendes Mittel« angebrauchen».Aus dem Schlauche eines Kochofens wird während des Ave- Maria- LäutensKienruß genommen, der mit geweihtem Salz vermischt wird, mit welcherMischung jedem Stück Vieh täglich einmal Zunge und Zähne ausgeriebenund dann mit Essig ausgewaschen werden. Eine Stunde darauf darfnichts zu fressen gegeben werden. Während des Anbrauchens muss derHausherr sammt Frau im Stalle stehen und für jedes Stück Vieh 5 Vater-unser beten; sollten sie damit nicht fertig werden, dann haben sie aneinem einsamen Orte auszubeten. Vorher muss man sich von 5 HäusernBrot betteln, dasselbe in Stückel brechen, in Weihwasser tauchen undjedem Vieh 5 Stückel eingeben. Weiter in jeden Barren und jede Thür-schwelle ein Loch ausbohren und mit einem Stöpsel versehen. Das indiese Löcher zu deponierende Arcanum wird in folgender Weise bereitet.Man nimmt von einem geweihten Palmbaum 3 Katzel, dazu Segenbaum ¹)und ein Kühlkrautkranzl 2) und von einer Osterkerze ein Stück der5 Kranel. 3) Dieses alles wird vermischt, ein« Tauf» 4) darüber gespritzt,ein entsprechendes Quantum in Haderl gedreht und in die Löcher gelegt,die sodann mit den Stöpseln verschlagen werden.
¹) Segenbaum, der am Palmsonntag in der Mitte des Palmbuschens steckt.
2) Kühlkrautkranzl. Zum Fronleichnamstag bindet jedes Haus ein« Kühlkrautkranzl>aus Kugelkraut, wie es in den Ameisenhaufen wächst, oder aus Steinröserln. Sämmtliche Kranzelwerden in einen Korb gesammelt, der in der Kirche neben der Evangelienseite des Altares seinenPlatz erhält. Während der Fronleichnamsprozession wird der Korb von 2 Knaben mitgetragen,um dann die ganze Fronleichnamsoctav über in der Kirche zu bleiben, worauf jedes Haus seinKranzel wieder heimholt. Das Kranzel und seine Blumen bilden nun ein wertvolles Volks-heilmittel.
3)« Kranel, die 5 Weihrauchkörner, die am Charsamstage der Osterkerze zur Erinnerungan die vom Herrn auch nach der Auferstehung gezeigten Wundmale angefügt werden.
4)« Tauf,» im Volksmund abgekürzt für Tauf- oder Weihwasser.