Das oberdeutsche Bauernhaus und sein Geräthe.
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in Wien XXIII, S. 166( Studien zur german. Volkskunde II). Wie die« Stube» entstand, ist heute noch immer nicht zu sagen. Man kann anfolgende Möglichkeiten denken, wobei festzuhalten ist, dass der ursprüng-lich einzige Raum der Herdraum war: 1) an den Herdraum rückt eineKammer, die mit einem Ofen versehen wird; 2) an den Herdraum gliedertsich die Badestube mit ihrem Ofen an, woraus sich aus ihr ein Wohn-raum entwickelt. Auch die Geschichte des Kachelofens ist eine sehrschwierige und nur theilweise geklärte. Meine Hypothese über den Zu-sammenhang des Kachelofens mit dem römischen Hypokaustum habe ichals zu gekünstelt aufgegeben. Vgl. Mittheil. der Anthrop. Ges. in WienXXV, S. 62(« Studien zur germ. Volkskunde III»). Ich glaube jetzt,dass der Kachelofen aus dem von der Küche( dem Herdraum) in einenanderen Raum hineinragenden Backofen entstanden ist, mit Benützungder auf römische Kunstfertigkeit hinweisenden Technik, welche aus Hohl-gefäßen Kuppeln und
Gewölbe formte. Da-mit wäre zugleich eineneue, dritte, Möglich-keit der Genesis derStube gegeben. Wenndie Frage überhauptgelöst werden soll, dannsind noch viel ausge-dehntere Beobachtun-gen über die heutigenÖfen des Bauernhausesund ihre Lage, Art derHerstellung, Materialu. s. w. nöthig. Amwenigsten studiert sind
Einhei
noch die aus Steinen
und Ziegeln hergestell-
Fig. 156. Badestube vom Wörthersee.
ten Öfen, die namentlich in Tirol häufig sind, während Steiermark undKärnten viel Material zur Erforschung des Kachelofens bieten.Auch Meitzen spricht in seinem großen Werke III, S. 149, von den« Kacheln oder Kachelröhren» der Hypokausten. Er irrt so, wie ichgeirrt habe: Eine Röhre ist kein Gefäß, ist keine Kachel, sondern ebeneine Röhre.
Dem Ofen gegenüber in der Ecke der mit Fenstern versehenenWände steht der Tisch. Er ist immer viereckig, wie es ihm sein Platzvorschreibt und wie es auch die einzigen Sitze des alten Bauernhauses,die Bänke, verlangen, denn die Stühle sind erst in neuerer Zeit insvolksthümliche Haus gekommen. Oberhalb des Tisches in der Fenster-ecke befindet sich der Hausaltar, zu dem die Familie des Hauses sammtKnechten und Mägden betend emporblicken, bevor sie sich zum Mahleniedersetzen.