Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Moses.

Am Charfreitag gehen die« Ratschnbuam» von Haus zu Haus undbitten um Eier als Lohn für das« Ratschn». Dabei sagen sie:

« Bitt gor sche um an Oa,

Um ans, zwoa oder drei,

Wie's Ihr guter Wille sei.»>

Im Pfarrgebiete von Payerbach gehen am Vormittage des Char-samstags drei« Ratschnbuam», einer mit einer« Ratschn», einer mit einerGeldbüchse, der dritte mit einem mit Heu, Stroh oder Häckerling gefülltenKorb für die Eier von Haus zu Haus und sprechen im singenden Tone:« Die Ratschnbuam thatn a bittn, wos die Heana legn und derKaiser schlogn losst.» Hierauf wird dreimal« geratscht». Die gesammeltenEier und das erhaltene Geld werden getheilt.

In der Nacht des« Tafnsomsta»( Charsamstag) leuchten auf denHöhen die flammenden Osterfeuer, in welche die alten, abgenommenen« Polmbuschn» geworfen werden. Beim Abbrennen der Osterfeuer wird

aus Terzerol- Pistolen geschossen.

Ein schöner Brauch wird am Ostersonntage im Kirchsprengel vonKranichberg geübt. Am Morgen oder Nachmittag dieses Tages geht derBauer begleitet von seinen Söhnen auf das Feld« in die Groan», be-sprengt die Raine und Grenzsteine mittelst eines Ährenbüschels mit« Weihbrunn»( Weihwasser) und spricht dabei:

« Dos er's Troad losst wochsn.

Und an longn Flochsn,

Das d' Wölf nit keman unter d' Herd,

Dos er brav losst regna

Und a' s Viach thuat segna,

Und' n Friedn uns bescheert.» ¹)

Hierauf steckt er geweihte« Polm» und« Segnbam» in's« Bau»( bebautes Feld). Dabei werden Pöller- und Pistolenschüsse abgefeuert.

Zu Ostern erhalten die kleinen« Godeln» von ihren« Taufgodeln»rothe Eier und ein« Ostergipfl». Dieses muss von riesiger Dimensionsein, denn sonst heißt es:« Es zohlt si aus!>>

Der Mai ist gekommen. Vor dem Dorfwirtshause steht ein hoch-stämmiger<< Maibaum», dessen Wipfel mit verschiedenfarbigen Papier-bändern und einer Fahne geschmückt ist. In den Zweigen des Wipfelshängt auch eine Flasche mit Wein und ein rothes Tuch, das der« Mai-baumkraxler» herabholen muss, soll er das Recht haben, bei den Zuschauern..

Geld abzusammeln.

Am letzten Sonntag im Mai wird der Maibaum umgeschnitten.Das« Maibaumumschneiden» gestaltet sich immer zu einem kleinenVolksfeste. Um die bestimmte Nachmittagsstunde zieht eine Schar ver-kleideter Burschen unter Musikklängen durch das Dorf zum Maibaumehin. Dort spielt sich eine kleine dramatische Scene ab. Der gestrengeHerr« Oberförschtna» will von dem« Bauer» den Baum erwerben.1) Vergleiche« Österr.- Ungarische Monarchie in Wort und Bild», Bd. Niederösterreich,Seite 200.