Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Sprechsaal.

Die Blumen im Volksleben. Herr Dr. Hans Schukowitz, Graz: Die March-feld- Slowaken verwendeten mit Vorliebe zur Anfertigung von Todtenkränzen Gartenblumen,wie die Aster, Goldlack, Georgine, die Schwertlilie, Nelken, Reseden u. s. w. und benützen zurRandausstattung Minzen-, Flieder-, Nussblätter und Waldlaub. Die Ärmeren erbitten sich hiezuBlumen aus den Dorfgärten, und diesen Liebesdienst verweigert ihnen nicht leicht eins. Aus den<< Fensterstöckln» aber nimmt man hiefür keine Blumen,« es würde sonst», sagt man,< aus diesemHause keine Braut herausgehen».

Bei Hochzeiten trägt das slowakische Mädchen einen Kopfkranz aus Naturblumen,der mit Stroh in die Haare geflochten wird. Ist indes noch von dem Ehrentage der Mutter dasKränzchen aus künstlichen Blumen vorhanden, so verwendet man mit Vorliebe dieses, und einesolche Braut wird im Ehestande besonders glücklich werden.

Die Lieblingsblume des slowakischen Burschen ist der Rosmarin. Mit ihrschmückt er seinen Feiertagshut.

Interessant ist ferner der Brauch, dass Mädchen, die bereits vergeben sind, den Nelken-strauß in die Schürzenbänder stecken, während ihn solche, die noch frei sind, oben an das Miederheften. Das ist nicht Mode, sondern echt volksthümlicher Brauch.

Originell ist auch die Sitte unter den Slowaken, dass die Beistände zu Hochzeiten, dievor Jakobi gefeiert werden, dem Brautpaare einen Strauß aus Kartoffelblüten präsentieren.

Bei Erntefesten ziert man Kopfhaar und Hüte auch gern mit Ährenkränzen. AlsSpottgeschenk gilt ferner ein Strauß aus Kukuruzblüten, den man bei Gelegenheit des« Kukuruz-auslösens» gern solchen offeriert, die einen Liebesantrag beim Kirchtagtanze verschmäht haben. EinBüschel Gerstengrannen schieben böswillige Bursche bei Gelegenheit des sogenannten<< Dreschhahn>( Schlussfeier der Drescharbeiten) den Mägden unter das Busentuch. Gelbe Blüten gelten als Symboldes Neides. Spielereien Abzählen und Abblasen der Blumenblätter u. dgl. m.

Gevatterbitten.

Klagenfurt:

( Diese Zeitschrift II., S. 31): Herr Rudolf Waizer,

Das« G'vatterbitten» vollzieht sich in Kärnten ohne besonderes Ceremoniell. Manersucht in der Regel Verwandte um die« Gvatterschaft». Die Pathenleute haben ihre Pathenkinder,wenn selbe« Waisen» sind, in Zucht und Ehren zu erziehen. Ihnen obliegt, den Kindern zuOstern einen Reindling, rothe Eier und einige Kleidungsstücke zu geben. Mit dem vierzehntenJahre hört diese Obliegenheit auf. Unter den Slowenen Kärntens bekommen die« Pathalen>> einHemd mit rothen Spitzen. In Ferlach ist ein Geschenk auf ein Firmhemd üblich, welches derFirmpathe am ersten Oster- Sonutag nach der Firmung nebst dem Firmthaler dem Pathenkinde

schenkt.

Das Pathenverhältnis wird hierzulande hoch in Ehren gehalten. Es gilt In Kärnten alseine grobe Sünde, mit dem Pathen zu zanken. Thut es dennoch Jemand, setzt er sich bei denNachbarn in großes Mißtrauen. Mit den Pathen geschlechtlich zu sündigen, gehört nach der Meinungder Slowenen zu den drei schwersten Sünden, wie es in einem aus Görtschach im Gailthalestammenden Liede heißt, dass Maria die armen Seelen aus dem Fegefeuer holte, bloß drei mußtendarin bleiben eine hat an Gott verzweifelt, die zweite hat einen Mord begangen und die drittehat mit ihrem Pathen gesündigt.

Schluss der Redaction: 20. Juni 1896.

Druck von Gebrüder Stiepel in Reichenberg.