Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde.

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Theile auf eigenen Erkundigungen. Die Anordnung ist eine alphabetische und zwar nach denlateinischen Namen, wodurch die Übersichtlichkeit für den Nicht- Botaniker sehr erschwert wird;mindestens hätte sich ein alphabetisches Verzeichnis der deutschen Dialektnamen zum Schlussesehr empfohlen, da dadurch manche Fragen sich von selbst aufdrängen und eine Beantwortungfordern. Ich verweise diesbezüglich auf den Namen« Speik»: Mit« Speik» schlechtweg bezeichnetman die Primula glutinosa L. und die Primula minima L.; der weiße Speik dagegen ist inNordtirol die Achillea Clavenae L. Der Zillerthaler bezeichnet die Androsace als blauen Speik,hat aber für die Primula minima L. denselben Namen; auch die Primula glutinosa L. heißt< blauer» Speik. Im Drautbal versteht man unter« gelben» Speik die Primula Auricula L.und den Senecio carniolicus Willd., während in Lienz die Valeriana celtica L. diesen Namen führt.« Wilder» Speik ist im Defereggenthal die Primula Auricula L. Ferner gibt es die Bezeichnung« Ross- Speik» für die Primula glutinosa L. und minima L., letztere im Defereggenthale; in Ost-tirol heißt diese aber« Sau speik». Ebenso wechselt die Bezeichnung Raute: Wir finden dreiEdelrauten( Artemisia Mutellina Vill., Artemisia nitida Bert. und Senecio carniolicus Willd.); dieAchillea moschata L. heißt« Frauenraute» und die Artemisia vulgaris L.« Abraut». Man stelltsich selbst die Frage, was versteht das Volk unter« Speik», was unter« Raute». Diese beidenNamen müssen sich auf bestimmte Erscheinungen beziehen, gleichgiltig, an welcher Pflanze sieauftreten. In dieser Richtung wäre eine Durcharbeitung der volksthümlichen Pflanzennamen sehrwünschenswert und allein von Wert. Sehr dankbar müssen wir dem Verfasser für die leidernicht allzureichen Mittheilungen über die Verwendung der Pflanzen in der Volksmedicin und sonstbei Volksgebräuchen sein.Dr. Wilhelm Hein.

12. Narodne pripovedke v Soških planinah.( Volksmärchen aus den Isonzoalpen.)III., Görz 1896.

Die zwei ersten Hefte dieser Sammlung haben wir im I. Jahrgang dieser Zeitschrift S. 186 f.angezeigt. Nun ist das III. Heft als Nr. 47 der von Andr. Gabršček in Görz herausgegebenen« Slovanska knjižnica» erschienen. Es enthält 18 Märchen und eine Ballade.

Nr. 1.« Popeluhar.» Die Hand der königlichen Prinzessin bekommt derjenige, welchereinen 100 Klafter breiten und 100 Klafter tiefen Graben überspringt. Es gelingt das dem jüngstendreier Brüder mit Hilfe von drei Wunder- Pferden, einem silbernen, einem goldenen und einemdiamantenen, die seine Saat vernichteten und von ihm gefangen wurden. Vgl. Kres V( 1885),S. 507. Strohal, Hrvat. nar. pripov., S. 102 f. Archiv f. slaw. Philol. V, S. 21, 22. Sbornikza nar. umotvor. XI, Abth. 3, S. 147. Hahn, Griech. 1. alb. Märch. I, 260, 309. Archiv f.Literaturgesch. XII, 98. Ciszewski Krakowiacy I, Nr. 132, S. 180.. In der Version aus Görzist dieser Stoff verquickt mit dem Märchen, das bereits im I. Hefte dieser Sammlung unter Nr. Imitgetheilt wurde<« Le pape Innocent». Vgl. Zt. f. öst. Volks. I, 186. Fleury, Litter. orale deea Basse Normandie, 1883, S. 123 f. Stan. Polaczek, Wieś Rudawa S. 20 f. Nr. 6.

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Nr. 2.« Die Erzählung von den Feigen.» Eine Mutter schickt der Reihe nachihre Söhne mit Feigen auf den Markt. Dem ersten begegnet die Mutter Gottes und fragt, was ertrage; auf seine Antwort« Koth», wurden die Feigen zu Koth. Ebenso werden dem zweiten aufeine gleiche unartige Antwort die Feigen in Eidechsen verwandelt. Der dritte endlich wird fürseine Artigkeit von ihr belohnt und für drei Feigen der Reihe nach beschenkt mit einer Pfeife,nach der alles tanzt, mit einem Tischlein- deck- dich und einem Gläschen mit einem wunderbarenTrank. Der Knabe wird nun zu einer Frau mit den Feigen nicht zugelassen, erst musste er denDienern versprechen, den Verdienst mit ihnen zu theilen er bat sich 100 Stockstreiche aus. Es istalso die alte Anekdote hier eingeschaltet, von der ich einige Versionen im Český Lid IV, S. 513 f.zusammengestellt habe, und die man außerdem noch findet bei Bartsch, Sagen und Märchen ausMecklenburg, I, S. 330, Nr. 445. Marc Monnier, contes popul. en Italie, S. 236. P. Šejn, Mate-rialy dlja izučenija była i jazyka russkago naselenija severo- zapadnago kraja. II, Nr. 93, 94-Zu Haus hält es der Knabe nicht lange aus, zieht mit seinen Wunderdingen in die Welt, wirdin einen Kerker geworfen, erfreut in demselben seine Genossen mit reichlichen Speisen und Ge-tränken; zur Frau aus dem Kerker geführt, lässt er diese, auf seinem Pfeifchen blasend, zu Todetanzen. Auf seinem weitern Weg kniet der Knabe bei einem Muttergottesbild nieder und findetdaselbst ein Schwert mit der Aufschrift:« Was immer mit dem Schwerte berührt wird, muss