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Polek.
weil Teller oder Schüsseln, einmal dazu benützt, zu anderen Zweckennicht mehr gebraucht werden dürfen. Für unrein gelten dem Lippowanerauch Nutzthiere, wenn sie mit Brandmalen bezeichnet worden sind. Zummindesten trinkt er die Milch solcher Thiere nicht. Dagegen wird einanderes, früher sehr verpöntes Genussmittel, der Thee, durchaus nichtmehr verschmäht.
Sonst bewahrt der Lippowaner in allen Lagen seines Lebens einunerschütterliches Gottvertrauen. Dies zeigt sich insbesondere in Krank-heitsfällen. Hier und da werden wohl gegen einige Krankheiten Haus-mittel angewandt; einen Arzt aber ruft der strenggläubige Lippowanerbei inneren Krankheiten nicht. Und auch solche, die in vielfacher Be-ziehung freieren Ansichten huldigen, nehmen ärztliche Hilfe nur sehrungern in Anspruch; ebenso ungern wenden sie Medicamente an.
Am meisten scheuen alle Lippowaner die Kuhpockenimpfung. Siesind der Meinung, dass jeder Mensch die Blattern bekommen müsse;verschont bleibe höchstens nur derjenige, der während einer Blattern-epidemie geboren worden ist. Es gebe aber auch dagegen keine Hilfe,ausgenommen etwa gewisse Gebete zum heil. Konon. Kein Wunderalso, dass bisher alle Überredungskünste der obrigkeitlichen Organe, siezur Annahme der Impfung zu bewegen, vergebens waren. Einst brachunter ihnen eine Blatternseuche aus. Ein Militärcordon cernierte sie, undder Tod hielt reiche Ernte unter ihnen; allein ihr Starrsinn blieb unge-brochen. Als im nächsten Jahre die Commission erschien, hatten sie nurdie Antwort:« Tödtet uns, aber wir thun's nicht». ¹) So sehr fürchtensie die Vermischung ihres Blutes mit anderem Blute.
Die Furcht vor Verunreinigung ihres Blutes geht sogar so weit,dass sie auch das schon vergossene Blut ängstlich vor Missbrauchschützen. So sammeln sie, wenn sie sich von einem Arzte einen Zahnziehen lassen, das abfließende Blut in einer Schale, die sie mit sich nehmenund zu Hause in der Erde vergraben. 2)
Trotzdem soll es doch zuweilen sich ereignen, dass der unreineGeist( duch nečistyj) von einem Lippowaner Besitz ergreift. Insbesonderesoll er sich gerne der kleinen, ungetauften Kinder bemächtigen. An ihreStelle legt er seine Kinder, die man daran erkennt, dass sie zwar sehrviel essen, aber trotzdem nicht gedeihen und auch nicht sprechen lernen.Mit einem solchen Kinde soll einmal eine Familie in Sokolince geplagtgewesen sein. Es erhob sich erzählt man nachts, wenn alles schlief,von seinem Lager, zehrte alle im Hause vorhandenen Speisevorräthe aufund legte sich dann wieder nieder, ohne dass jemand etwas merkte. Aberauch Erwachsene können nach der Meinung der Lippowaner vom unreinenGeiste besessen sein. In Klimoutz soll er einst einem Weibe Glossar ::: zum Glossareintrag Weibe in Gestalteiner Grille ins Ohr und durch dieses dann ins Gehirn gedrungen sein,wo er so laut zirpte, dass das Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib wahnsinnig wurde und starb.
¹) O. Miloradow, Promemoria zur Petition d. Lippowaner an den hohen Reichsrath,ddo. 15. März 1870. S. 3.
2) Vgl. auch Simiginowicz- Staufe, a. a. O. S. 99 f.