Die Lippowaner in der Bukowina.
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beim Bräutigam, wobei von dem Brautvater und der Brautmutter eineSammlung für die Neuvermählten veranstaltet wird. Die Geschenke be-stehen in Geld; es wird aber auch Getreide, ja sogar Vieh( ein Kalb oderein Schwein) geschenkt.
Die Geburt eines Kindes wird in jeder Lippowanerfamilie als einfreudiges Ereignis angesehen; doch sind Knaben stets willkommener alsMädchen. Erstere, meint man, könnten leichter zu einem selbständigenNahrungserwerb gelangen, aber auch leichter arbeitsunfähige Elternunterstützen. Die Taufe findet in der Regel innerhalb der ersten Wochestatt; sie kann aber auch auf eine spätere Zeit verschoben werden, fallsder Vater nicht zu Hause ist. Sie muss stets vormittags vorgenommenwerden, und es dürfen weder der Priester noch die Taufpathen vorheretwas genossen haben. Taufgeschenke sind nicht gebräuchlich; hier undda gibt man dem Täufling ein hölzernes Kreuzchen, das er bis zu seinemTode auf der Brust trägt und auch mit ins Grab bekommt. Was dieBenennung des Kindes anbelangt, so wird dazu gewöhnlich der Namejenes Heiligen gewählt, dessen Gedächtnis am achten Tage nach derGeburt des Kindes gefeiert wird. Der Taufschmaus fehlt auch bei denLippowanern nicht.
Ganz eigenartig sind die Leichengebräuche der Lippowaner. DieLeiche wird bloß mit Hemd und Schuhen bekleidet. In die linke Handwird ihr ein Rosenkranz gelegt und auf die Stirn ein Papierstreifengebunden, worauf die Worte stehen: Heiliger Gott, heiliger Starker,heiliger Unsterblicher, erbarme Dich unser( Swjatyj Bože, swjatyj krěp-kij, swjatyj bezsmertnyj, pomiluj nas). So wird sie in ein Leintuch( sáwan) und zwar derart eingehüllt, dass nur das Antlitz frei bleibt. DieBeerdigung geschah in früheren Zeiten in den Hausgärten. Davon istman in den vierziger Jahren abgekommen. Seitdem haben alle Lippo-wanergemeinden eigene Friedhöfe. Vor der Bestattung trägt man dieLeiche im offenen Sarge in die Kirche. Hier wird ihr nach mehrfachenGebeten ein vom Beichtvater unterschriebenes Sündenvergebungsgebetin die rechte Hand gelegt. Wie auf dem Weg zur Kirche, bleibt derSarg auf dem Weg zum Friedhofe offen. Er wird erst geschlossen,bevor man ihn ins Grab hinabsenkt. Dabei sieht man darauf, dass dasKopfende gegen Sonnenaufgang zu liegen kommt. Zum Todtenmahle( soročiny) werden von den Ärmeren außer den Verwandten die Witwenund Waisen des Ortes, von den Reichen alle diejenigen geladen, die beider Todtenandacht zugegen waren. Das Mahl besteht aus solchen Speisen,wie sie an Sonn- und Feiertagen auf den Tisch zu kommen pflegen;nur fehlen geistige Getränke.
Eine Hauptsorge jedes Lippowaners ist es, sein Blut vor Verun-reinigung zu bewahren. Verunreinigt wird das Blut nach seiner Ansichtvor allem durch den Genuss von Fleisch unreiner Thiere. Solche Thieresind: Hunde, Katzen, Hasen, Kaninchen und Tauben. Der Hund wirdin dem Grade für unrein angesehen, dass er nie das Wohnhaus betretendarf; auch wird ihm das Futter nur in einem hölzernen Troge dargereicht,