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Ethnographische Chronik aus Österreich.
Während der Trauung, welche auf dem Lande von einem beliebigen älteren, mit derCeremonie vertrauten Juden vollzogen wird, gibt man den Brautleuten Wein zum Trinken undwird ein Glas zerschlagen, damit die Ehe fruchtbar werde; hierauf steckt der Bräutigam einenRing an einen Finger der rechten Hand seiner Braut mit den Worten:« Dadurch wirst Dumein Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib!>>
Im Scheidungsfalle gehören die weiblichen Kinder dem Manne, die männlichen aberdem Weibe Glossar ::: zum Glossareintrag Weibe.
Die Juden werfen dem begegnenden Priester Strohhalme nach, weil sie der Meinung sind,dass eine solche Begegnung ihnen Unglück bringe, welchem aber durch das Strohwerfen vor-gebeugt wird.
Nach der Trauung wird dem jungen Judenweibe Glossar ::: zum Glossareintrag Judenweibe das Kopfhaar kurzgeschnitten und dem-selben eine Perücke sammt einem Tuche aufgelegt, denn es wäre eine große Schande, wennJemand das Kopfhaar einer verheirateten oder verwitweten Frau sehen würde, während dieMädchen den Kopf zum Zeichen der Jungfräulichkeit unbedeckt tragen.
Am Trauungstage dürfen die jüdischen Brautleute weder essen, noch trinken im Zweckeder Vergebung ihrer Sünden und erst am Abend nach der Trauung gibt man ihnen ein gebackenesEi zum Essen, damit sie dann im Leben Glück haben.
Den Hochzeitsgästen werden nun dreigeflochtene längliche Stritzel vorgesetzt. Sind nundiese Gebäcke mit Milch oder Wasser bereitet, so muss man sich vor deren Genuss die Händewaschen, hat man sie aber mit russischem Thee bereitet, so unterbleibt die Waschung der Hände.
Die Hochzeitsgäste unterhalten sich nach Geschlechtern getrennt. Will nun Jemand aufder Hochzeit tanzen, so miethet er sich den Tanz, indem er die Musik für diesen bestimmtenTanz bezahlt, denn die Eltern der Braut, wo gewöhnlich die Hochzeit gefeiert wird, bezahlen dieMusik nur für die Dauer der Trauungsceremonie, welche letztere gewöhnlich nur im Freien voll-zogen wird, um näher dem Himmel zu sein.
Die Juden glauben, dass nach je drei Monaten, und zwar am neunzigsten Tage, derTeufel ins Haus komme. Zur Verhütung dessen pflegen sie in jenen Zimmern, wo flüssige Ess-waren, besonders Milch, aufbewahrt wird, Eisenstücke aufzulegen.
Am Versöhnungstage abends pflegen die Juden zu einem Gewässer zu gehen und indas Wasser zu schauen; sieht nun Jemand sein Bild sich im Wasser abspiegeln, so wird dies alsein Zeichen angesehen, dass er den Versöhnungstag des nächsten Jahres erleben wird.
Die Juden glauben, dass, wenn das Gebäck gekrümmt aus dem Backofen herauskommt,
dies ein Zeichen sei, welches Gäste anzeige.
Am siebenten Tage eines jeden Monats muss unter im Freien verrichteten Gebeten ge-feiert werden, damit man im Laufe des Monats vor dem Tode geschützt sein soll.
Wenn man bei den Juden einem Todten das letzte Geleite gibt, so darf man nicht aufdemselben Wege zurückkehren, da sonst der Zuwiderhandelnde Todesgefahr laufen würde.
Am Thürpfosten eines jeden jüdischen Hauses befindet sich ein auf Pergamentpapieraufgeschriebener Bibelspruch, der als Talisman zum Schutze vor bösen Geistern dient.
Man glaubt, dass ein ortodoxer Jude, der am neunten Tage der Fastenzeit( d. i. imMonate August) die ganze Nacht hindurch im Freien auf ist, die göttliche Thätigkeit im Himmelsehen könne.
Bei den Juden muss zwischen der Essenszeit von Fleisch und Milch ein Zeitraum vonsechs Stunden verstreichen, auch darf Fleisch nach Milch und viceversa nicht in einem und dem-selben Gefäße gekocht werden.
Das Ostergeschirr darf bei den Juden während des ganzen Jahres nicht gebraucht werden,daher wird es übers Jahr gewöhnlich am Boden aufbewahrt und nur zu Ostern wieder herabge-holt, worauf es dann besonders von Mehl gründlich gereinigt wird. Auch muss zu Ostern jederWinkel im Hause gereinigt und geweißelt werden. Die Osterkost besteht nur aus Osterbrot« Matzes», Erdäpfel, Geflügelfleisch und rothen Rüben, von welchen letzteren Barscht gekocht wird.
Vor jeder Mahlzeit müssen sich die Juden die Hände waschen, und es heißt, dass mandann reich sein wird; versäumt man aber die Waschung, so wird man verarmen.
Zu Ostern pflegen die Juden Kren zu essen zur Erinnerung an ihre Noth in Ägypten.Auch wurden damals Äpfel, Nüsse und Ingwer zusammengekocht zum Zeichen der von ihnen inÄgypten gemachten Ziegel.