Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Schukowitz.

Böhmenkönigs. Plötzlich erscholl vom Firmamente her ein schrillerTrompetenstoß. Eine heilige Ruhe entstand auf dem Schlachtfelde.Die Sterbenden hörten auf zu ächzen und in niegesehenem Glanze schwebteein majestätischer Engel zur Erde nieder; der rief so laut, dass es dieganze Welt hören konnte: Stille und Friede! Die Krieger stürzten vorSchrecken zu Boden. König Rudolf kniete nieder, nahm die Krone vomHaupte und steckte sein Schwert in die Scheide. Alle beteten laut. Eintiefes Murmeln erfüllte das Feld. Der himmlische Glanz erblasste all-mählich, und als die tausend und tausend Sterne so friedlich zur Weltniederleuchteten, waren sie Zeugen, wie König Rudolf den Leichnamseines Todfeindes[ Ottokar] unter Thränen küsste. Die Stadt Grünau istseither vom Erdboden verschwunden, nur das Dörfchen Stillfried erinnertuns heute noch an jenen Befehl des Himmels.

[ Diese Sage knüpft offenbar an eine falsche Etymologie des NamensStillfried an und schmückt so die Geschichte jener denkwürdigen Schlachtauf dem Marchfelde aus. Die richtige Etymologie dieses Ortsnamens dürftewohl diese sein: Still orvlog, stilus Säule, mhd. stil Pfahl, altfrz. esteil;fried ahd. frido Schutz, Einfriedung. Stillfried sollte demnach richtigerStielfrid geschrieben werden und in dieser zutreffenden Deutung gewännenwir einen weiteren Nachweis, dass der Ort ein urgermanischer Wohnsitzgewesen ist.] ¹)

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Der versunkene Königsschatz.

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Auf einem Berge in der Nähe des denkwürdigen Dörfleins Still-fried erhebt sich eine kleine Kirche. Wie ein Zeuge ereignisreicherTage steht sie da; ihre antike Bauart und die Inschriften der beschädigtenSteintafeln bürgen für ihr hohes Alter. Hier soll nun so erzählt dieSage Ottokar von Böhmen gefallen sein. Im Getümmel des Kampfesgieng dessen Schlachtwagen, Krone und Schwertalles aus puremGolde verloren. Die Leute meinen, dass der Schatz tief unter demKirchberge begraben liege. Der Bischof hat ihn aber gesegnet und ge-weiht, ehe der König damit in die Schlacht gezogen ist. Und deshalb willman auch sehen, wie sich der Berg an den, Weihetagen' der Kirche hebt,dann aber wieder senkt. Man erzählt auch von Versuchen, diesen Schatzzu beheben. Man muss zwischen Dreikönig und Lichtmess um Mitter-nacht an der Stelle graben und hiebei das Vaterunser verkehrt beten.Dabei hat man aber zu achten, dass kein Steinchen zu rollen beginnt. Istdies der Fall, dann wachen die Todten auf und die verfolgen den Schatz-gräber solange, bis er in eine Grube fällt und ein Bein bricht.

[ Ähnliche Sagenzüge finden wir in der Mythe von der weißenFrau in Böhmen. Vgl. Th. Vernaleken, Mythen und Bräuche des Volkesin Österreich, Wien, 1859, S. 122 ff. Ferner Kuhn, Zeitschr. f. d. Myth. u.Sittenkunde III. 3. S. 368 ff.]

1) Übrigens hat der Name Stillfried schon vor dieser Schlacht existiert, was durch eineUrkunde aus dem Beginne des XII. Jahrh. bestätigt wird, worin Reiniger von Alrichesdorf zumSeelenheile seiner Verwandten dem Stifte Klosterneuburg einen Weingarten zu stiliuridi schenkt.[ Klostern. Dotat. Chronik, Fasc. XXI. 14 ff.] Die von Müller in den M. d. V. f. Landesk.v. No. 1884, S. 412 ff. angeführte etymologische Deutung scheint hiemit entkräftet.