Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Die Lippowaner in der Bukowina.

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von der Decke herabhängende Ampel an hohen Feiertagen oder auchsonst bei Hausandachten angezündet werden. Oft sind auch die übrigenTheile der die geheiligte Ecke einschließenden Wände mit Heiligenbilderngeschmückt. Auch hängen dort schön gestickte« Handpölster»>, wie der-gleichen von den Lippowanern bei den großen Verbeugungen verwendetwerden. Sonst enthält die Stube einen Tisch( vor dem Bildergestell),eine den bildergeschmückten Wänden entlang sich hinziehende Bank,ein durch einen rothen Vorhang von dem freien Stubenraume getrenntesDoppelbett, einen Geschirrkasten und einen mit einem Backofen ver-bundenen großen Herd. Hier und da ist auch ein Webstuhl darinzu sehen.

Das Christusbild, gewöhnlich kurzweg Ikon( Heiligenbild) genannt,darf in keiner Stube fehlen. Vor ihm verrichtet der Lippowaner seineAndacht, vor ihm pflegt er sich, wenn er verreist oder heimkehrt untergleichzeitigen Verbeugungen dreimal zu bekreuzigen. Letzteres thut auchjeder nicht zum Hause gehörige Glaubensgenosse beim Kommen undbeim Weggehen. Dabei sei noch erwähnt, dass der Fremde vor demEintritte nicht an die Thüre klopft, sondern nach einem vom Fenster ausgewechselten kurzen Gruß und Gegengruß um die Erlaubnis zum Eintrittbittet. Die Worte, die hierbei gesprochen werden, weisen gleichfalls aufdie Verehrung hin, die der Lippowaner dem in der Stube aufgestelltenChristusbilde zollt. Gruß und Gegengruß haben nämlich folgendenWortlaut:( Gruß:)« Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich unser>>( Hospodi Isuse Christe, syne Božij, pomiluj nas),( Gegengruß:)« Amen»Aminj); der Eintritt aber wird mit folgenden Worten erbeten und be-willigt:( Bitte:)« Gestattet den Eintritt in das Haus»( Blahoslavitje v dom),( Antwort:)« Beliebet einzutreten»( blahoslavitje).

Wie der Ein- und Ausgang, so entbehrt auch das Leben imLippowanerhause einer Art von religiös- sittlicher Weihe nicht. Zwarwerden jetzt schon hier und da weltliche Lieder( Volkslieder) angestimmt,auch werden schon hier und da wie bei den rumänischen und deutschenNachbarn sogenannte Spinnstuben( posidělky) abgehalten; im allgemeinenjedoch herrscht in diesen Räumen eine geheimnisvolle Stille.Da gibtes keine geräuschvollen Mahlzeiten, keine Musik und keinen Tanz, undwas dann und wann gesungen wird, ist in der Regel nur ein Kirchen-lied. Am Weihnachtsabende wird kein Christbaum aufgestellt, es findetkeine Bescherung statt, und die Mahlzeit unterscheidet sich von der ananderen Abenden nur dadurch, dass die bei den Ostslaven zu dieser Zeitbeliebte Kutja( ein aus Weizen, Mohn und Honig bereitetes Gericht) aufdem Tisch erscheint. Zu Ostern lässt man in der Kirche Eier, Speckund das sogenannte Paska, d. i. einen aus Weizenmehl gebackenenKuchen, weihen. Davon bekommt ein jeder Hausgenosse vor der eigent-lichen Mahlzeit seinen Theil. Das Pfingstfest erhält durch die Aus-schmückung der Häuser mit Lindenzweigen ein gewisses äußeres Ge-pränge. Selbst bei Hochzeiten tritt fast ausschließlich das religiöseMoment in den Vordergrund.

Zeitschrift für österr. Volkskunde. II.

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