Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Václavek.

die Haare. Daraus entstehen Processe, und man processiert manchmalso lange, bis das ganze Hab und Gut in die Hände der Advocaten über-geht. Sehr häufig geschieht es, dass der Wallache nur einer kleinenSache willen( um ein Stückchen Hutweide, um ein Stück abgeackertenRaines etc.) einen Process seinem Nachbarn auf den Hals hängt und solange processiert, bis alles draufgegangen ist, denn groß sind die Kosten,welche die verschiedenen und häufigen Commissionen, das Gericht, dieAdvocaten, die Zeugen u. s. w. erheischen, und der Gegenstand, umdessenwillen man processiert, ist manchmal keine fünf Gulden wert.

Am ärgsten ist es mit dem Brantweintrinken bestellt. Der Wallachetrinkt beim Juden( und Christen), trinkt immer zu, der Gastwirt schreibtauf und zählt zu, bis endlich Haus und Feld auf die Trommel kommen.Gegenüber den« Herren» sind die Wallachen sehr freundlich, jakriecherisch, hinter ihrem Rücken aber thun sie sehr couragiert und be-spötteln dieselben. Den Fremden(« cuzáci») gegenüber sind sie sehrmisstrauisch; ein unter ihnen angesiedelter Fremdling genießt nie vollesVertrauen, selbst wenn er sichum das Gemeindewohl sehr verdientgemacht hätte.

In sittlicher Hinsicht ist der Wallache kein strenger Moralist. DerVenuscult wird recht oft und an manchen Orten über die Maßen gepflegt.Viele Heiraten geschehen« post festum», die Braut ist schon eine<< zá-vitka»( eine gefallene Person). Daran sind meistentheils leichtsinnigeEltern selbst Schuld. In der neuesten Zeit insbesondere, wo man Fabrikenoder deren Filialen in Stadt und Land errichtet hat, nimmt die Unmoralitätviel und viel überhand.

Die Ehen pflegen gesegnet zu sein; es kommt selten vor, dass siekinderlos wären. In der Regel hat ein Ehepaar 4-7 Kinder. DerBrantwein, die karge, unausgiebige Nahrung, die Trunksucht und andereLaster sind jetzt die Ursachen, warum man hier heutzutage 80jährigeGreise oder Greisinnen höchst selten findet. Das gewöhnliche Lebensalterschwankt zwischen 40 und 50 Jahren.

Von Krankheiten ist namentlich das Asthma heimisch, eine Folgedes Steigens auf Berge und Lehnen, wo sie ihre Chalupen und Felderhaben. Der leidenschaftliche Tanz trägt auch viel zu verschiedenen Krank-heiten, insbesondere Lungenkrankheiten, bei.

Doch neben die Fehler, neben die Schattenseiten im Charakter derWallachen müssen wir auch die Vorzüge, die lichten Seiten der Be-völkerung hinstellen und ihnen gerecht werden. Der Wallache ist gast-freundlich, geistig begabt, scharf im Urtheil, witzig, geschickt bei Ver-fertigung von verschiedenen Industrieartikeln, Holzschnitzwerken, Flech-tereien u. a. Die wallachischen Näherinnen(« švalky») und Hauswirtinnen(« gazděny») sind in der neuesten Zeit als geschickte Stickerinnen berühmtgeworden. Die wallachische Stickerei auf einigen Kleidungsstücken( Hemden, Tüchern u. a.) erntete auf der ethnographischen Ausstellung inPrag einen großen Beifall. Die wallachischen Lieder, Märchen, Redens-