Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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I. Abhandlungen.

Zwei Kachelöfen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhundertsin Bludenz.

Von Prof. Josef Wichner, Krems a. D.

Das Haus Nr. 64 in der Hauptstraße des Vorarlbergischen StädtchensBludenz, das jedenfalls einige Jahrhunderte alt ist und mit seinem massigenMauerwerke einst einen Theil der Befestigung bildete und mit seinemStrebewerke ein Stadtthor stützte, hat zum Theile bereits einem Neubauweichen müssen, und binnen kurzem dürfte ihm dasselbe Geschick be-schieden sein, das in unserer Zeit die alten Häuser und die engen Gassender Großstadt bedroht.

Auch gedenkt der gegenwärtige Besitzer, Herr Andreas Bohle, dashöchst kunstvoll geschnitzte Zirbelholzgetäfel dreier Zimmer sammt demstilgerechten Hausrathe, was von Kennern, wie z. B. H. ConservatorBaurath Deininger in Innsbruck auf 10.000 fl. geschätzt wird, zu ver-äußern, und da mag vielleicht bei der geringen Kauflust des Inlandeswieder ein schönes Stück ums andere ins Ausland wandern.

Daher dürfte es angezeigt sein, österreichische Liebhaber an dieserStelle auf die meisterhaft durchgeführten Schnitzarbeiten aufmerksam zumachen, auf dass Täfelung und Hausrath in würdige Hände komme;besonders aber möchte ich an dieser Stelle zwei Kachelöfen mit auf-fallend reichem Bilderschmucke und zahlreichen Sprüchen beschreiben, diebeim bald nothwendigen Umbau des Hauses zu Schaden kommen odergar in die Rumpelkammer verwiesen werden dürften, obschon sie wahr-lich ein besseres Schicksal verdienten.

Getäfel, Hausrath und Öfen stammen zumeist aus dem Besitze des imJahre 1778 verstorbenen Johann Jakob Zengerle,« gewester Secklermeisterder Stadt Bludenz», wie ein alter Grabstein im aufgelassenen Friedhofebesagt, der auch das Familienwappen der Zengerle( eine Zange, zweiTannen und zwei aufsteigende Hirsche) aufweist.

Ein Sohn des genannten, nämlich« der woledelgeborene Herr MartinJosef Sebastian Zengerle, gewesener kais. königl. Salzsäckler, Mitglieddes Rathes, städt.- ständischer Deputierter der löbl. Stadt Bludenz, geb.1744, gest. 1818», habe sich, wie alte Leute zu erzählen wissen, beiGelegenheit der französisch- bayerischen Invasion einer unvorsichtigenÄußerung halber lange Zeit verborgen halten und flüchten müssen, undin der That lässt sich das Getafel der oberen Stube an einer Stelle ver-schieben und bietet die fast 5 Fuß dicke, ausgehöhlte und mit Luftlochversehene Mauer in gefahrvollen Zeiten ein sicheres Versteck. ¹)

Die beiden Öfen nun haben die Gestalt der allbekannten großenBacköfen mit rechteckigem Grundrisse und quadratischem Aufsatze; dochwurde der Aufsatz des einen, der in der sogenannten Wohn- und Gesinde-

¹) Vgl. meine Erzählung« Dem Volke die Ehre» in Roseggers Heimgarten 1896.Zeitschrift für österr. Volkskunde. II.

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