Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde. Sprechsaal.

Šandera mit zahlreichen geologischen Aufnahmen und Durchschnitten, und ein Abschnitt überWitterungskunde, Fauna und Flora von Wenzel Petr. Sodann folgen die eigentlich volkskundlichenAufsätze, die wohl alles erschöpfen, was man in dieser Richtung erwarten und verlangen kann:Ergebnisse statistischer Erhebungen über Physis und Psyche der Schuljugend( Wenzel Pažsurek)und ebenso der Erwachsenen( Franz Vondráček); Eigenart des Dialekts, der Wortformen, derAusdrucksweise( Jos. Pažourek); Volksglaube bezüglich gewisser Thiere und Pflanzen, ihrer Be-deutung, ihrer Heilkräfte, Thier- und Pflanzennamen( Fr. Novotný); Sagen, abergläubischeMeinungen, die sich an gewisse Tage im Jahre knüpfen, Trachten( Franz Pokorný); Sprichwörterund Spruchreden, abergläubische Meinungen und Gewohnheiten( Boh. Jahelka); Kindersprüche,Kinderräthsel, Kinderscherze, Wiegenlieder( Peter Vostalek); religiöse Sitten und Gebräuche( B. Hak); Witterungs- Kalender im Volksglauben( Kalendař pranostyk von Johann Freitag);« Von was sich unsere Vorältern genährt haben»( Věrceslava Lužická); Gehöfte und Wohnhäusermit Grundrissen und Ansichten des Äußern und der Innenräume( Wenzel Weinzettel); Landwirt-schaft( Jos: Krubner), Obstzucht( Karl Tlamich); Bienenzucht und Fischerei( Joh. Freitag); Schul-wesen( Alois Valenta), Gewerbeschule( Dokoupil); Liebhabertheater( Wenzel Crha); Lieder undTanzweisen mit musikalischen Beigaben( Alois Rublič); Nationaltänze( P. Jos. Hynek). M. Hernitzekwidmet einen eigenen Abschnitt den im Bezirke vorfindigen Steinkreuzen, die man in mährischenGegenden als Cyrill- Kreuze zu bezeichnen pflegt, mit zahlreichen Abbildungen. Eine sehrdankenswerte Übersicht ist von Anton Rubl< hervorragenden Persönlichkeiten des Bezirkes>> ge-widmet, und ganz eigenartig behandelt sind die« Gewohnheiten und Gebräuche im Familienleben>>von Franz Pokorný, weil der Schriftsteller, anstatt sie in einer für die nichtfachmännischen Leseretwas ermüdenden Weise akademisch aufzuzählen und zu beschreiben, sie in eine Liebesgeschichteverwebt, die mit der ersten Bekanntschaft beginnt und mit dem Begräbnis schließt( S. 154-173).Aus den« Erinnerungen eines böhmischen Musikanten» von Jos. Bous lernen wir S. 409-411 vondem Wanderleben dieser zigeunernden Glossar ::: zum Glossareintrag  zigeunernden<< Bierfiedler šumaří», die mit ihren Fiedeln und Liedernoft bis nach Sibirien kommen, leider nur zu wenig kennen. Al. Porges behandelt das volksthüm-liche Stickerei Ornament mit sehr zahlreichen Abbildungen; auch die Kopfleisten und Schluss-Vignetten der einzelnen Abschnitte des Buches sind fast durchwegs Motiven aus der Hořitzer Haus-Industrie entnommen. Das Buch ist reichlich illustriert; außer den schon erwähnten Abbildungenmit Ortsansichten und landschaftlichen, architektonischen und sculpturellen Einzelnheiten, Porträts,Trachtenbildern und Personentypen etc.

Wien.

Sprechsaal.Antworten.

Helfert.

Geldanspucken. Herr stud. med. A. T., Wien: Als ich einst in der Nähe vonBrixen im Eisackthale auf der Landstraße einer alten« walischen» Bettlerin ein Geldstückgab, bemerkte ich, dass sie dasselbe anspuckte; auf mein staunendes Befragen wurde ich aufgeklärt,dass es nur so Glück bringen könne.( Vielleicht hat sie es übrigens nicht angespuckt, sonderngeküsst; vgl. Baron von Doblhoff's Notiz in Nr. 8/9, S. 288.) Gleichzeitig erinnere ich michan eine ähnliche Sitte, die ich durch unsere Köchin, eine Böhmin kennen lernte; als derselbeneinst eine Schüssel mit einem schön garnierten Fisch aus den Händen fiel, fieng sie furchtbar zujammern an:« No ja, jetzt erinnere ich mich, ich hab heut vergessen, vor dem Strohwagen,dem ich begegnete, als ich den Fisch eingekauft hatte, zweimal auszuspucken, und somusste heute noch ein Unglück über mich kommen!>>

Schluss der Redaction: 20. Januar 1896.

Druck von Gebrüder Stiepel in Reichenberg.