Das Osterei in der Iglauer Sprachinsel.
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seinem einfachen Handwerkszeug und immer erkennt man, was er dar-stellen wollte. Das Wichtigste am Osterei sind aber die Sprüche. Alles,was beigegeben ist, soll nur diese deuten helfen, sei es nun ein Herz,ein Vergissmeinnicht, schnäbelnde Täubchen oder irgend ein sonstigerpassender Gegenstand.
Von Blumen umrankt ist jedes Ei, sonst sieht man am öftestendas Herz. Es sprießt aus Blumen hervor, es wird von Tauben im Schnabelgehalten, es ruht auf einem Wägelchen und soll wohl dem Geliebten zu-geführt werden.
Die Sprüche selbst sind selten mundartlich, denn die Mundart kannder Bauer schriftlich nicht zum Ausdrucke bringen; auch die Volksliedersind ja zumeist hochdeutsch. Der Eiermaler erfindet auch nur zumgeringsten Theile seine Sprüche; wo er irgendwo eines passenden Sprucheshabhaft wird, schreibt er sich ihn auf und bringt ihn dann beim Eiermalenzur Anwendung. Der Bedeutung des Spruches thut aber dies keinenEintrag, denn er merkt sich nur das an, was ihm die Stimmung seinerKundschaft auszudrücken scheint. Durch den Ostereispruch kommt daherdie bäuerliche Denkweise besser zum Ausdruck als durch das Volkslied,ja besser noch als durch das Schnaderhüpfel. Das Volkslied kann sichder Stimmung des Einzelnen nicht anpassen und muss in der Form ge-nommen werden, in der es überliefert ist. Das Schnaderhüpfel zeigtwohl, wo es noch, wie es bei uns der Fall ist, im Volke lebt, das Gefühldes Augenblickes, der Spruch aber fasst die Seelenstimmung zusammen,und leiht dem Gefühle des Einzelnen Ausdruck.
Im Spruche des Ostereies werden alle Töne des menschlichenGefühles angestimmt, hochaufjauchzende Freude, tiefe Traurigkeit, schalk-hafter Humor und rührende Zartheit. Die Reime freilich sind oft bessergemeint als gelungen, der Spruch ist aber stets aufrichtig gemeint, wenner auch noch so scherzhaft klingen mag. Das Osterei wird daher auchin heimlicher Lade oft Jahrzehnte lang aufbewahrt, und wie sonst einermanchmal in alten Briefen stöbert, so mustert man im Bauernhause inmüssigen Stunden die aufbewahrten Ostereier. Trübe und freudige Er-innerungen mögen da manchmal wieder wach werden, denn auch imBauernhause erweckt die Vergänglichkeit alles Irdischen Wehmuth. Beieinzelnen Sprüchen mag manchem eine gewisse übertriebene Schwärmereides Gefühles und des Ausdruckes auffallen, da diese dem Wesen desBauern doch sonst fremd ist. In der Rede würde ein Mädchen derartigeAusdrücke wohl nicht gebrauchen, doch geschrieben, geschrieben voneinem andern, überschickt es selbe unbedenklich, die Verantwortung demEiermaler überlassend. Von den vielen Sprüchen, die ich gesammelthabe, will ich einige dem geneigten Leser vorführen. Vielleicht sind siegeeignet, das Interesse an bäuerlicher Denk- und Anschauungsweise zuwecken und zu fördern, denn wir haben in Österreich noch einen Bauern-stand, der es wert ist, dass man ihn kennen lernt, um sich an seinemeinfachen Wesen zu stärken und zu erbauen.