Kochen?
24
Piger.
göttin, die man wohl Ostara zu benennen hat, geweiht war. Die Kirchetrug diesem altheidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag altheidnischen Gebrauche Rechnung, und sie weiht noch heutenebst dem Brote das Osterei. Das Ei ist wohl ein Bild der Fruchtbar-keit. Unsere Bauern wenigstens legen Eierschalen zur Osterzeit vor dieStallthür, damit die Kühe darauf treten, und glauben, dass diese dannfruchtbar seien. Der Hirt schreibt dem Osterei noch eine andere Kraftzu. Die Schalen der Eier, welche er am« krumpen» Mittwoch( Mittwochin der Charwoche) gesammelt, verscharrt er auf seinem Weideplatze underwartet, dass ihm dann kein Stück der Heerde verloren gehe.
Ostern lässt sich ohne das Osterei gar nicht denken, im Altnordi-schen hieß der Ostermonat geradezu die Ostereizeit.
Das Osterei ist die Gabe der Mädchen an die Burschen für fleißigesTanzen während des Jahres. In der Nacht vom Ostersonntag auf denOstermontag gehen diese von Haus zu Haus, klopfen an das Fenster,hinter dem sie ein junges Mädchen wissen und verlangen Eier. DieEier werden dann am Montag Nachmittag gemeinsam von den Burschenund Mädchen gegessen, wozu erstere meist Bier beistellen. Selbstver-ständlich beschließt dies Eiermahl ein Tänzchen. Ein immer mehr ab-sterbender Brauch ist der, dass der Bursche am Ostermontage mit einergeflochtenen Weidenruthe in bekannte Häuser geht und dort die Mädchenschlägt mit den Worten:« Schmeck' Ostern, schmeck' Ostern, gebt's rotheEier, habt's keine rothe, gebt's weiße, habt's keine weiße, werden euchdie Flöh' beiße.» Meist heischen nur mehr Knaben auf diese Weise Eier.
Sinniger und bedeutungsvoller ist aber das Ei, das an Einzelper-sonen als Ostergabe geschenkt wird. Vor allem gibt die« Dirn» ihremBurschen ein Osterei, aber auch Freundinnen beschenken einander damit,ja selbst der Bauer verschmäht es manchmal nicht, seinem jungen Weibe Glossar ::: zum Glossareintrag Weibeein Ei färben zu lassen. Vor allem aber schickt man das Osterei anPersonen, die in der Fremde weilen, auf dass sie auch dort der Heimatgedenken. Der Soldat in seiner Garnison, die Amme, wo sie auch ihresAmtes walten mag, die Dienstmagd in Wien oder Prag erhalten ihr Osterei.Es gibt hier in einzelnen Dörfern Eiermaler, von denen mancherweit über tausend Eier zur Osterzeit malt und mit Sprüchen versieht.Leider scheint auch die Kunst des Eiermalens dem Verfalle entgegen zugehen, jüngere Leute verfügen nicht mehr über die nöthige Geduld. DieKunst des Eiermalens ist nicht so einfach, als es sich mancher vorstellenmag. Mit der Rinde des Apfelbaumes, die er im Wasser kochen lässt,färbt der Künstler zuerst das Ei gelb. Was gelb bleiben soll, das bedeckter sodann mit einer feinen Wachsschichte und färbt dann das Ei roth,indem er es mit Zwiebelschalen im Wasser kochen lässt.Ist dies ge-schehen, so wischt er das Wachs wieder weg und hat nun ein gelbrothesEi. Jetzt erst greift er zum Griffel, der gewöhnlich ein abgebrochenesMesser ist, und ritzt seine Kunstwerke ein, die auf dem gelben oderrothen Grunde in reiner Weiße schimmern. Nichts ist seiner Kunst un-erreichbar, er malt Blumen, Thiere und Häuser, ja selbst Menschen mit