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Kleine Mittheilungen.
Obertheil zur Schau, da man nicht zu befürchten hatte, dass sich das rauhe Gewebe vom Schweißedurchuässt, an den Körper anlegen würde.
Die Hemden aus dem selbst gesponnenen Flachse waren unverwüstlich. Deshalb bekameine egerländische Braut in ihre Brautausstattung nur wenige mit, dafür aber desto mehr Rollenvon der feinsten bis zur derbsten Hausleinwand in den« Laden». Nicht nach den DutzendenHemden, Handtüchern u. s. w. schätzte man damals den Wert des Brautschatzes, sondern nachden< Laden» voll Linnen.
Gemeinde- Siegel aus der Bukowina.
Von Dr. W. Hein, Wien.
( Mit 34 Siegelabdrücken.)
Die Redaktion hat schon früher Anlass genommen, eine Sammlung und Untersuchung derGemeinde- Siegel in den verschiedenen österreichischen Ländern anzuregen( diese Zeitschrift p. 64',und konnte bald darauf, dank der freundlichen Unterstützung des Herrn Ministerialrathes ArthurFreiherr von Hohenbruck, eine derartige von Herru Landesrath Anton Zachar inCzernowitz veranlasste Sammlung aus der Bukowina in Aussicht stellen( ibid. 96). Herr Landes-rath Zachar hat an alle Gemeinden und Pfarrämter der Bukowina Fragezettel( 17: 10 cm) ver-sendet, auf welchen folgende Auskünfte verlangt wurden: 1. Bezirk; 2. Gemeinde; 3. Siegel( Ab-druck); 4. Seit welcher Zeit besteht das Siegel? 5. Welche Entstehung hat dasselbe? 6. Knüpftsich an dasselbe irgend welche sagenhafte oder historische Tradition?
Vorläufig sandte uns Herr Landesrath Zachar eine Anzahl von 150 beantwortetenFragezetteln ein, von welchen wir 34 Siegel- Abdrücke ausgewählt haben, um sie unseren Lesernvorzuführen. Leider wurden die Fragen, welche sich an die Entstehung der Siegel knüpfen, fastdurchgehends unbeantwortet gelassen, so dass wir uns bloß mit den Siegeln als solchen begnügenmüssen; es lässt sich daher vorläufig über dieselben nicht mehr sagen, als die dargestellten Emblemeverrathen. Die letzteren beziehen sich zum großen Theile auf den Ackerbau( Pflug, Garbe, Sense,Rechen, Heugabel, Dreschflegel), zum Theile sind es Thiere; weniger häufig kommen Bäume, Ge-bäude und Menschen vor; vereinzelt sind Menschendarstellungen, Herz, Weintraube. Im Fol-genden geben wir zu den einzelnen Siegeln die nöthigen Angaben über Gemeinde( G.) undBezirk( B.).
1. G. Hadikfalva, B. Sereth. Pflug. 1848.
2. G. Kamenka, B. Sereth. Garbe; zur Erinnerung an die Abgabe von zehn Garben als Zehentenin der Robotszeit. 1890. Ein altes Siegel mit demselben Emblem wurde seit 1877gebraucht.
3. G. Ropcze, B. Storożynetz. Garbe mit Sense, und Dreschfiegel.
4. G. Panka, B. Storożynetz. Garbe mit Sense und Dreschflegel.
5. G. Presekareny, B. Storożynetz. Garbe mit Heugabel und Schaufel. Rumänisch.
Besteht
seit August 1894. In diesem Jahre wurde die rumänische Sprache im Gemeindeamteeingeführt.
6. G. Czerepkoutz, B. Sereth. Garbe mit Heugabel, Sense, Sichel, Dreschflegel und Rechen.7. G. Kotul Bainski, B. Czernowitz. Garbe mit Heugabel, Dreschflegel, Rechen, Sense und Sichel.8. G. Styrcze, B. Sereth. Garbe mit Heugabel, Sense, Sichel, Dreschflegel und Rechen. Bestehtseit 25 Jahren.
9. G. Kamena, B. Czernowitz. Rechen mit Dreschflegel und Sense. Seit etwa 1850.
Rind.
10. G. Kuczurmare, B. Czernowitz. Rechen mit Sense und Dreschflegel. Dieses Siegel bestandbis zum Jahre 1884. Von da ab wurde die Göttin der Gerechtigkeit als Symbol gewählt.11. G. Korowia, B. Czernowitz.Besteht seit mehr als 60 Jahren.12. G. Czudyn, B. Storożynetz. Hirsch. Besteht seit mehr als 100 Jahren.13. G. Baince, B. Sereth. Ziegenbock. Besteht seit mehr als 40 Jahren.14. G. Kalafindestie, B. Sereth. Fuchs. Besteht seit 1868.15. G. Romanisch- Tereblestie, B. Sereth.16. G. Czahor, B. Czernowitz. Reh(?)
Hirsch. Besteht seit 1880.
17. G. Krasna- Ilski, B. Storożynetz. Eichhörnchen. Besteht seit mehr als 130 Jahren. Andieses Siegel knüpft sich eine sagenhafte Überlieferung, welche uns leider noch nicht zu-gekommen ist.