Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Sitten, Bräuche und Meinungen des deutschen Volkes in Steiermark.

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hatten in dieser Nacht weiße Haare und Falten im Gesichte bekommen;sie wurden tiefsinnig und starben bald.¹)

Dem Landmann ist die Weihnachtszeit auch für die Witterung imkommenden Jahre maßgebend.

Ist die Christnacht schön und heiter, so wird die Ernte des nächstenJahres schlecht ausfallen; ist sie aber recht dunkel, so wird die Ernte gut. 2)Ist in der hl. Christnacht der Himmel trüb, so folgt gewöhnlichein gutes Kornjahr.( Aus Oberwölz.)***

Windige Weihnachten bringen ein gutes Obstjahr.

( Umgebung von Graz.)***Weihnachten nass, gibt leere Speicher und Fass.( Aus Sausal.)***Schnee in der Christnacht bringt gute Hopfenernte.

( Aus Friedberg.)***Wenn in der Christnacht der Wein im Fasse gährt, so gibt's eingutes Weinjahr.( Aus Marburg.)***

Grüne Weihnachten, weiße Ostern, rothe( trockene) Pfingsten.

( Allgemein verbreitet.)***

Geht in der hl. Christnacht der Wind vom Aufgang der Sonneher, so bedeutet dies großes Viehsterben.

Wie das Wetter an den zwölf Tagen vor dem Christtag ist, so istes durchs ganze Jahr.( Jeder Tag bedeutet dabei einen Monat. Diesechs Tage nach dem Christtag aber« brechen» die Hälfte von den12 Tagen, so dass eigentlich nur die letzten sechs gelten und nur einhalber Tag für den Monat gilt, z. B. der 19. December vormittags fürden Januar, nachmittags für den Februar u. s. w.³)

Ist die Zeit zum Kirchengehen nahegerückt, so wird aufgebrochenund unter dem Vorantritte eines Laternen- oder Kienholzfackelträgersder Weg zur Pfarrkirche zurückgelegt. Bald in kleineren, bald in größerenScharen ziehen die frommen Landleute selbst von den hohen Bergenherab in's Thal zur Kirche, und es bietet solch ein nächtlicher Kirchgangein reizendes Bild, wenn von allen Seiten die Lichter herbeikommen undförmlich einen feurigen Kreis um das Gotteshaus bilden. Die zu HauseGebliebenen, oft nur eine Person in der Wirtschaft, setzen sich vor denHausaltar, auf oder vor dem Kerzen brennen. Besonders frommgläubigeLeute, zumeist ältere Frauenspersonen, erwarten sogar den leiblichen,wenn auch nicht sichtbaren Besuch des Christkindels und seiner Elternund stellen ihnen eine Schüssel heißer Milch auf den blank gedecktenTisch.( Aus Kalwang u. a. O.)***Trotz der Heiligkeit des Ortes, wo die Mette abgehalten wird,glaubt das Volk, dass der Teufel und seine Genossen auch da keineRuhe geben.

Wenn man in der Thomasnacht einen Schemel aus den Nadelnvon sieben verschiedenen Nadelholzarten sich verfertigt, und auf diesem

Mittheilung des H. Lehrers J. Labres in Gams.

2) P. K. Rosegger:« Volksleben in Steiermark.»>

3) Dr. A. Schlossar:« Cultur- und Sittenbilder aus Steiermark,>>