Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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I. Abhandlungen.

Die Bevölkerung am Záhoří in Mähren.

Von P. Franz Přikryl in Soběchleb.

( Mit 2 Abbildungen und 1 Karte.)

Das Gebiet, welches unter dem Namen« Záhoří» bekannt ist, ver-dankt diese Benennung dem Kranze von Wäldern, welche seine Ortschaftenvon den umliegenden Städten Prerau, Bistritz am Hostein, Wallachisch-Mescritsch, Weißkirchen und Leipnik abschlossen( eine bewaldete Anhöheheißt« hora»; hinter dem Walde« za horou», eine Landschaft hinter demWalde« Záhoří»). Begrenzt wird es von den Thälern der Beczwa und desBistřičkabaches und von der sogenannten« Städtebahn» in der Streckevon Bistritz am Hostein bis Wallachisch- Meseritsch. Im engeren Sinnegeht die ethnographische Grenze über folgende Orte: Walschowitz, Par-schowitz, Malhotitz, Ober- Teschitz, Unter- Těschitz, Kladerub, Komarowitz,Pohlitz, Kunowitz, Komarno, Osičko, Příkas, Loukow, Bistritz am Hostein,Rychlow, Křtomil, Lipowa, Dřewohostitz, Nahoschowitz, Hradschan,Schischma, Kladnik und Lhotta; in ihrer Mitte liegt Soběchleb. DieZáhoraken vermitteln den Übergang von den Hannaken zu den Wallachen,bilden aber für sich eine ethnographische Einheit, die sich insbesonderedadurch kennzeichnet, dass die Heiraten innerhalb der Stammverwandtenerfolgen. Als stammverwandt fühlen sich eben nur die Insassen derzáhorakischen Gemeinden. Selten kommt eine Braut aus der Hanna,noch seltener aus der Wallachei. Ihre Sprache weicht sowohl vonder hannakischen, als auch von der wallachischen ab, indem die Flexionund Conjugation statt des í ein é, welches aber fast wie das í klingt, undstatt des Doppellautes ou ein ó zeigen. Um Keltsch herum macht sichwallachischer und um Domaželitz hannakischer Einfluss fühlbar, währenddie Mundart von Soběchleb und Umgebung der Schriftsprache am nächstensteht. Bis vor Kurzem wurde die Benennung Záhorak in den umliegendenStädten und Dörfern außerhalb der obgenannten Grenze als Spottnamegebraucht. Die Záhoraken führten ein von der Außenwelt ganz abge-schlossenes Leben, da erst seit allerletzter Zeit Straßenverbindungen nachallen Richtungen angelegt werden. Die Tracht der Männer besteht auseinem Filzhut mit roth- schwarz- rothem Bande, das bei Verheirateten durchein schwarzes ersetzt wird, einer ärmellosen Jacke« frydka» aus dunkel-blauem Tuch, vorne an den Täschchen und an den Enden mit rother,grüner und gelber Seide in geometrischen oder Pflanzenmotiven ausgesticktund mit einer Reihe von kleinen Kugelknöpfen zum Schließen versehen,ferner aus einem weißen Hemde mit bauschigen Ärmeln, welche mitHäkchen an den Gelenken zugemacht werden; Kragen und Ärmelschlusssind in schwarzer Scide mit Pflanzenmotiven ausgestickt; endlich aus einergelben bis an die Knie reichenden engen Lederhose, weißen Strümpfen

Zeitschrift für österr. Volkskunde. I.

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