Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Vereinsnachrichten.

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Sühnkreuze. Mit Bezugnahme auf die Aufforderung von Frl. Marle Eysn( S. 32)sandte Herr Hermann Kaserer, Schüler des Schottengymnasiums in Wien, zwei von ihm zuOstern d. J. aufgenommene Photographien ein; die eine stellt ein aus weißlichgrauem Sandstein.verfertigtes Sühnkreuz dar( siehe Fig. 20),

das etwa 4 Kilometer von Strass( beiLangenlois) entfernt an der Straße nachHohenwarth am Waldessaum steht.Seine Höhe beträgt circa 1 Meter. DieInschrift, in Fractur und zum Schlussein Cursiv gehalten, lautet:<< Hier istMagdalena Stauffer von Strass den 19.Dezb: 1842 grausam ermordet wordenIhres Alters 66 Jahr.» Die zweitePhotographie, von der keine Abbildunggegeben werden kann, bringt ein höl-zernes Sühnkreuz zur Anschauung, dassich im sogenannten Ratzenthal zwischenEngabrunn und Feuersbrunn befindet.Von Engabrunn geht man zuerst aufder Straße nach Grafenegg, biegt dannbeim ersten Marterl links auf den Feld-weg ein und immer die Richtung gegendie Kirche von Feuersbrunn einhaltend,findet man das Kreuz in einem Ein-schnitte rechts vom Wege in der Näheeines kleinen Kellers. Das Kreuz istbraun gestrichen, etwa 2 Meter hochund trägt eine Blechtafel mit der bereitsverkratzten Darstellung des Mordes.Die Inschrift unter dem Bilde lautet:« Maria Durstmüller geb. am 11. Sept.1839 wurde hier am 15.(?) März 1881von einem bisher noch unbekannten er-mordet. Gewidmet von Anton undMagdalena Spedt.>>

SherfagdalenastauffervoBrass den 19.Dozí 1842 4gafamormordet

60 Jahr

Fig. 20.

Sühnkrenz bei Strass.

Ostereier. Her Anton M. Pachinger, Linz: In einem Bauernhause bei Linzerfuhr ich von der alten Bäurin, dass am Gründonnerstag( Anderstag genannt) die Dienstleuteweichgekochte ungefärbte Eier, die sog. Anderseier bekommen. Am Charfreitag isst man einrohes Ei von einer schwarzen Henne, das schützt vor dem Überheben während des nächstenJahres. Alle während der beiden Osterfeiertage gelegten Eier gehören den Dirnen des jeweiligenBauerngehöftes; sie sollen dazu beitragen, dass sie einen Mann bekommen.- Anderseier sindauch in Niederbayern bei Kellheim( Tann) besonders üblich und werden ungefärbt von denKnechten gegen Überheben gegessen, nachdem sie am Ostertage geweiht wurden. Unter Oetles-tag versteht man in Niederbayern den Gründonnerstag. Die Eierfladen, Osterflecken werden dortkorbweise von den Bäckern zur Weihe getragen,

Heilzauber. Herr Dr. Robert Sieger: Meine verstorbene Großmutter, die in Wien1800 geboren war, pflegte, wenn wir Kinder uns weh gethan hatten und der übliche Trost<< Bisdu heiratest, ist alles wieder gut» zum Stillen der Thränen nicht ausreichte, unter scherzhaftemBestreichen der schmerzenden Stelle die Worte zu sprechen:« Der Biwerl und der Bawerl unddem Schwarzhund sei Gvaderl machens Hei( 1) wehwer wieder gut,» Ich erinnere mich, damals( vor etwa 25 Jahren) von irgend Jemand gehört zu haben, dass der Gevatter des Schwarzhundesden« Teixel»> bedeute. Dieser Spruch ist in Wien auch heute noch bekannt. Es wäre interessant,seinen Ursprung festzustellen und etwaige Varianten und Verwandte kennen zu lernen.

Schluss der Redaction: 20. Juni.

Druck von Gebrüder Stiepel in Reichenberg