Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Ethnographische Chronik aus

Österreich.

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alles das umfasste, was Bezug auf die Stadt Teltsch hatte. Hervorzuheben sind aus dieser Ab-theilung die beachtenswerten Belege der Goldschmiedekunst und Holzschnitzerei aus dem 15. Jahr-hunderte( gothische Moustranz, polychromierte Holzstatue des hl. Adalbert), Ofenkacheln aus dem-selben Jahrhundert, Meisterstücke des Schlosser-, Schmiede- und Tischlerhandwerks aus dem 17.und 18. Jahrhunderte. Gewaltige Anziehungskraft übte das Modell der inneren Stadt Teltsch,einer Wasserfestung aus dem 17. Jahrhundert, sowie das neu gemalte städtische Wappen undzahlreiche typische Portraits aus dem vorigen und diesem Jahrhundert. Das« Bauernzimmer> enthieltnebst charakteristischen Einrichtungsstücken hauptsächlich eine schöne Auswahl verschiedenartigerStickereien, welche die allgemein anerkannte Kunstfertigkeit und Ausdauer unserer Landbevölkerungbekunden und aus diesem Theile Mährens fast vollständig unbekannt waren, sowie über 100 kera-mische objecte von mitunter tadellosem Erhaltungszustande. Das Installierungscomité des Local-ausschusses, bestehend in erster Linie aus dem Oberrealschul- Director Karl J. Maška und Prof.Beringer, beschränkte sich bei der Auswahl der Ausstellungsobjecte grundsätzlich auf das süd-westliche Mähren( Bezirkshauptmannschaft Datschitz mit den Gerichtsbezirken Teltsch, Datschitz undJamnitz) und dabei nur auf Gegenstände von anerkannt wissenschaftlichem Werte. Die Ausstellungwurde von mehr als 2000 Personen besucht. Das günstige Ergebnis hatte die Gründung einesethnographischen Musealvereines mit dem Sitze in Teltsch zur Folge.

Karl Jaroslav Maška.

Das neue Landesmuseum in Linz. Wie bereits angezeigt( p.-), wurde dasMuseum« Francisco- Carolinum» in Linz am 29. April durch Seine Majestät den Kaiserfeierlich eröffnet.

Ich hatte Gelegenheit, die schönen Sammlungen des Museums in ihrer Neuaufstellungunter freundlicher Führung des Herrn J. Straberger eingehend zu besichtigen. Der inzwischenerschienene« Führer durch das Museum Francisco- Carolinum in Linz», den dieMusealverwaltung herausgegeben hat und welcher um den Preis einer Krone erhältlich ist, ertheiltjede erwünschte Auskunft über die in zwei Stockwerken untergebrachten reichen Sammlungen.Von den in die oberösterreichische Volkskunde einschlägigen Theilen desselben seien im Nach-folgenden einige Mittheilungen dargeboten. Im Saal IX. sind die oberösterreichischen Trachtenund Bekleidungsstücke zur Schau gestellt. Hervorzuheben ist die prächtige Sammlung von Leder-gürteln, die mit Zinnstiften oder mit Stickerei( von Pergament, Seide oder Pfauenfedern) decoriertsind; ferner die Hauben- und Hutsammlung in Kasten VIII. mit ihren schönen Goldhauben,Draht- oder Blindbortenhauben; Tauf häubchen, Pelzhauben( sogenannte Öhrihauben) mit goldge-sticktem Boden, Riegelhäubchen aus Gold- und Silberspitzen. Von besonderem Interesse und vor-bildlichem Wert ist der Ausstellungsraum für Volkskunde in Nr. XXXII., in welchem eine ober-österreichische Bauernwohnung einzurichten versucht ist. Diese volkskundliche, durch eine Spendedes akademischen Vereins« Germania» veranlasste Sammlung ist erst in jüngster Zeit angelegtworden. Sie enthält einen Vorraum, für welchen eine gleiche Localität im Burgkirchener Mess-hause als Muster diente, eine Gaststube, wie sie in den oberösterreichischen Voralpenthälern nochmehrfach vorkommt und mit« Keanleuchte» und Mauerleuchte und das Stübel» mit alter bemalterEinrichtung, wie sie sich noch vielfach in der Gegend zwischen St. Florian und Steyr findet:Bett, Kästen, Truhen, Wiege, Tisch und Stühle im Geschmack wohlhabender Bauersleute.Dr. M. Haberlandt.

Das Landesmuseum ,, Joanneum in Graz. Am 4. Juni wurde das neue steier-märkische Landesmuseum« Joanneum» in Graz durch Seine Majestät den Kaiser feierlicheröffnet.

Das culturhistorische und Kunstgewerbe- Museum ist durch die thatkräftige Initiative dessteirischen Landtages unter der Beihilfe des« Landes Museumsvereins» und des« Vereines zurFörderung der Kunstindustrie» aus dem 1811 gegründeten« Joanneum», der Schöpfung des un-vergesslichen Erzherzogs Johann, hervorgegangen. In seiner jetzigen umfassenden Organisation istes eine Schöpfung seines verdienten Directors, unseres Ausschussrathes Herrn Carl Lacher.Indem wir eine Würdigung der umfassenden Sammlungen dieser prächtig verjüngten steirischenBildungsstätte einer besonderen Gelegenheit vorbehalten, sei diesmal nur an der Hand des vomDirector Carl Lacher verfassten« Führers» auszugsweise über den volkskundlichen Bestanddes Museums eine kurze Übersicht geboten.