Ethnographische Chronik aus Österreich.
III. Ethnographische Chronik aus Österreich.
1894-1895.
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Verein für Volkskunde in Galizien. In Galizien hat sich im Februar d. J. ein« Verein für Volkskunde»( Towarzystwo ludoznawcze) mit dem Sitz in Lemberg gebildet, andessen Spitze die Herren k. k. Universitätsprofessor Dr. Anton Kalina( Pole) und Großgrund-besitzer Dr. Wladislaw Fedorowicz( Rutene) stehen. Das Forschungsgebiet des Vereines er-streckt sich auf das polnische Volk und dessen Nachbarstämme, ein Gebiet, welches bislang nochwenig von der volkskundlichen Forschung berührt worden ist. Die Ergebnisse dieser Forschungenwerden in einer Vereinszeitschrift veröffentlicht werden. Indem wir dem jungen Verein bestesGedeihen wünschen, sprechen wir den Wunsch und die Hoffnung eines recht angenehmen undgewinnbringenden Verkehrs aus.
Čechoslawische Ausstellung in Prag. In Neustadt a. d. Mettau( Böhmen) fandvom 2.6. Februar eine ethnographische Bezirksausstellung statt. Außer local-historisch bemerkenswerthen Gegenständen bot dieselbe eine Anzahl schöner Volksstickereien, Braut-kränze, alterthümliche bemalte und geschnitzte Möbel nebst anderem Hausrath und Küchengeräth.[ Věstník II, Nr. 19.]
In Datschitz( Mähren) wurde am 2.- 3. Februar eine volksthümliche Ausstellung ver-anstaltet. Inhalt: Stickereien, Gold- und Silberhauben; eine getreu nachgebildete Bauernstubemit bemalten Kasten, bemalter Truhe und Bett.[ Věstník II, Nr. 19.]
Nach einer Mittheilung unseres Mitgliedes Herrn Custos Trapp hatte auch der Ort Teltschgegen Ende März seine volksthümliche Ausstellung, deren Gegenstände wie die aller übrigen Aus-stellungen für die Prager Exposition bestimmt sind. In Mähren ist der Vorschlag aufgetaucht,die mährischen volkskundlichen Gegenstände, welche zur čechoslawischen Ausstellung in Prag inso überaus großer Zahl zusammengeströmt sind, nach Schluß derselben in Brünn zu einem eigenenMuseum zu vereinigen, welches der Verein« Vesna» in seinem neuen Hause begründen soll.[ Mittheilung des Herrn Custos M. Trapp in Brünn.]
Im Programm der Prager Ausstellung ist der« čechischen Frau» eine eigene Abtheilunggewidmet, zu deren Beschaffung und Anordnung ein eigener Fragebogen ausgegeben worden ist,dessen umsichtig zusammengestellter Inhalt mitgetheilt zu werden verdient. Er kann für ähnlicheVeranstaltungen auf anderen Gebieten vorbildlich werden.
A. Die Frau auf dem Lande. I. Die Frau als Mutter. Die Kinderpflege:Das Baden und Waschen( in welchen Gefäßen und womit?) Kindercuren.( Kinderarzneien,Aberglauben.) Kindernahrung.( Gegenstände und Gefässe zur Verabreichung derselben.) Ein-wickeln, Tragen und Wiegen des Kindes( Wiegen); Gehschulen, Spielzeug. II. Die Frau alsWirthschafterin. a) Kochgeschirr, Speisen; b) Brotbacken; c) Butterbereitung mit den dazugehörigen Behelfen; d) die Erzeugung aller Gattungen von Hauskäsen; e) die Aufbewahrung derNahrungsmittel in den verschiedenen Jahreszeiten; f) das Trocknen des Obstes, der Beeren,Schwämme; g) Werkzeuge zur Reinigung der Wohnung, der Kleider; h) das Waschen und diedazu nöthigen Geräthe; i) das Bügeln und Glätten der Wäsche; k) das Rollen und Zusammen-legen der Wäsche; 1) die Verarbeitung des Flachses und Hanfes; das Spinnen, Weben undBleichen der Leinwand. III. Frauenschmuck: a) das Kämmen und Ordnen des HaaresToilettemittel( Pomade, Parfums, Salben); b) das Binden des Kopftuches, Kränze und Verfertigungvon Kunstblumen. IV. Die Handarbeiten der Frauen: a) Stickerei: die verschiedenenOrnamente, der Vorgang beim Zeichnen und Sticken derselben; b) die Spitzenerzeugung mitallen dazu gehörigen Gegenständen; c) das Stricken von Strümpfen und Handschuhen( angefangeneArbeiten); d) das Weben von Bändern( angefangene Arbeiten); e) das Haubennähen; f) Schnittefür Wäsche und Trachtstücke; g) alle Arten von weiblicher Hausindustrie, als Flechten vonStrohmatten u. s. w.
Eine Section für Volkskunde im Österreichischen Touristen- Club. Am29. März d. J. hielt unser Mitglied Herr Josef Rabl im Österreichischen Touristen- Club einenVortrag:< Die Bedeutung der Volkskunde und der Volkseigenthümlichkeiten für Touristik undFremdenverkehr», in dessen Verlaufe er auch des Vereines für österreichische Volkskunde gedachte.Er bezeichnete seine Gründung« unter den gegenwärtigen für die Erhaltung der nationalen Besitz-