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Kleine Mittheilungen.
II. Kleine Mittheilungen.
Burg Barwald und ihre Sagen.
Von Karl Wilh. Hallama, Saybusch.
Gelegentlich meines Aufenthaltes im Sommer 1890 zu Barwałd górny bei Kalwarya besuchteich die in nächster Nähe gelegenen Schlossruinen von Landskron( Lanckorona) und Barwald.Erstere von Kasimir dem Großen im Jahre 1361 als eine Feste erbaut, ist noch, wenngleich sienur einen Trümmerhaufen bildet, weithin dem Auge sichtbar und wird auch ziemlich häufig vonTouristen aufgesucht. Letztere dagegen auf dem gegenüberliegenden Berge Zajarek, an dessenFuße die berühmte Wallfahrtskirche von Kalwarya liegt, ist durch den herangewachsenen Hoch-wald den Blicken entzogen und ganz unbekannt. Nur der tiefe Graben und einzelne Mauerrestedeuten auf die einstige Burg.
Wenig bekannt dürften die beim dortigen Landvolke verbreiteten, an die Zerstörung derBurg sich anknüpfenden Sagen sein:
<< Die letzte Herrin auf der Burg Barwald war in weiter Umgebung als eine mächtigeZauberin bekannt; schon ihre Blicke konnten einen ihr Unangenehmen gänzlich vernichten. Siebesaß drei Töchter, zu welchen sie junge Adelige aus nächster Gegend heranlockte, dann abertödtete und ihrer Kostbarkeiten beraubte. Es gelang schließlich einem Ritter die Sache zu durch-schauen und die Gefahr, in der er schwebte, zu erkennen. Um also vor jeglichen Angriffen ge-sichert zu sein, kleidete er sich in ein eisernes Panzerhemd, über welches er wollene Kleidunganlegte, um nicht zu verrathen, dass er bereits die Pläne der Herrin auf Barwald erkannt habe.
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Am Abend begab er sich in die Burg. Nach der Mahlzeit verblieb er über Einladungder Gastgeberin im Schlosse. Spät begab er sich zur Ruhe, legte sich aber völlig gekleidet zuBette und stellte sich, als ob er schlafen würde, indes er aber wachte und das Treiben im Schlossebeobachtete. Bereits eine Stunde verbrachte er in diesem Zustand, als sich plötzlich die Thüreseines Schlafgemaches öffnete und leise die Herrin hereintrat. Sie näherte sich seinem Bette,etwas in ihren Händen verbergend, betrachtete den Schlummernden und als sie sich überzeugthatte, dass der Ritter fest schlafe, zog sie blitzschnell einen Dolch und stieß mit diesem auf dieBrust ihres Opfers. Doch die beabsichtigte Wirkung blieb aus, der Dolch wurde durch denBrustpanzer aufgehalten und zerbrach in Stücke. Jetzt raffte sich der Ritter auf, zog seinSchwert und hieb mit diesem auf den Kopf der Herrin auf Barwald, so dass ihr ein Ohr ab-geschnitten wurde, dann floh er. Sie rächte sich aber an ihren drei Töchtern, warf dieselben
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in die Kellerräume des Schlosses und verdammte sie zu ewiger Pein.
Nun wurde inzwischen durch den Ritter ihr verbrecherisches Treiben in der ganzen Umgebungbekannt; man beschloss sie zu strafen und es gelang auch mit Hilfe von Soldaten sie gefangenzu nehmen. Als Gefangene wurde sie nach Krakau abgeführt. Unterwegs, als man die An-höhen von Izdebnik erreicht, erbat sie sich von ihren Führern, noch einmal auf ihren einstigenSitz zu schauen; man willigte es ihr ein, doch kaum schweifte ihr Blick auf den Schauplatz ihrerVerbrechen, da stürzte die Burg unter einem donnerähnlichen Getöse ein. Sie wurde sodannin Krakau zum Tode verurtheilt und lebendig verbrannt.>>
Mit dieser Sage steht auch die folgende im Zusammenhang:
« Die drei Töchter, welche von ihrer Mutter verdammt wurden, befinden sich noch heuteunter den Trümmern und warten auf ihre Erlösung. Einst zeigten sie sich einem Bauer, währender in der Nähe der Schlossruine mit Holzfällen beschäftigt war, in einer Maueröffnung undbaten ihn, er möge ihnen den Mittelfinger reichen. Es würden ihm zwar dabei abschreckendeHindernisse in den Weg treten, er möge aber nichts fürchten, denn es geschehe ihm nichts, sieaber würden dadurch gerettet werden, und ihm zum Danke das Glück verschaffen. Er entschlosssich hiezu, reichte ihnen den gewünschten Mittelfinger entgegen, aber in diesem Augenblickesprang ein feuriger Hahn aus einer Mauerspalte und hackte so heftig auf die Finger des Bauers,dass dieser sie aus Furcht und Schmerz zurückzog. Der Hahn verschwand jetzt, mit ihm aberauch die drei Burgtöchter, die ihm nur noch zuriefen:« Unglücklicher, wir dachten in dir unserenErretter zu finden, so aber müssen wir noch weiterhin leiden.»