Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Vereinsnachrichten.

6) Photographien:

4. Fünf photographische Ansichten von Haus- und Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag  Volkstypen aus der Bukowina,aufgenommen von Herrn J. Szombathy. Geschenk des Herrn J. Szombathy

in Wien.

Den freundlichen Spendern wird der wärmste Dank des Vereins ausgesprochen.

III. Verkehr.

a) Nach Außen:

1. Der Ausschuss des» Wiener Alterthums- Vereins« sendete unter dem 15. d. M.in Erwiderung unserer Kundgebung( siehe S. 32) eine freundliche Begrüßung.

2. Der Vorstand der» Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft,Kunst und Literatur in Böhmen« übermittelte durch seinen Vorsitzenden, Herrn Prof. Dr.Ph. Knoll in Prag, ein Schreiben, in welchem die Bereitwilligkeit ausgesprochen wird, dieBestrebungen unseres Vereines nach Thunlichkeit zu fördern. Zugleich erhielten wir von derGesellschaft 5 Exemplare des III. Berichtes über ihre Aufsammlung der volksthümlichen Über-lieferungen in Deutsch- Böhmen( S. p.).

Wir sprechen der genannten Gesellschaft unseren wärmsten Dank für ihr Entgegenkommenaus und hoffen auf einen recht angenehmen und fruchtbaren Verkehr im Interesse der österr.Volkskunde.

3. Herr Geheimrath Dr. K. Weinhold, der Vorstand des Vereines für Volks-kunde in Berlin, sendete anlässlich des Erscheinens der Zeitschrift ein freundliches Schreiben,in welchem er mittheilt, dass die Zeitschrift des Vereines für Volkskunde in Berlin künftighinkostenlos übersendet werden wird. Das collegiale Wohlwollen der Berliner Gesellschaft verpflichtetuns zu verbindlichstem Dank.

b) Sprechsaal:I. Anfragen.

Dr. M. Haberlandt, Wien: Eine sonderbare Sitte: das Anspucken des erstverein-nahmten Geldes herrscht bei Personen der untersten Volksschichten in Wien. Ich erbitte mirfrdl. nähere Nachrichten darüber- womöglich auch bezüglich der Verbreitung dieser Sitte. M.Thirring, Wien: Wer mag freundlichst über die Meistermarken auf den alterthümlichen Zinn-tellern unserer Bauernbevölkerung Auskunft geben?

2. Antworten.

Todtenbretter. Herr Anton Dörner, in Qualisch bei Trautenau: In Nordböhmenist der Gebrauch von Todtenbrettern auf den Braunauer Bezirk beschränkt und bei den Dorfbe-wohnern noch ziemlich lebendig, besonders in der Umgebung der Stadt Braunau selbst. DieTodtenbretter, dort« Leichenbretter» genannt, sind etwa 30 cm breit und 150-180 cm lang, ab-gehobelt; auf ihnen sind drei Kreuze, die Anfangsbuchstaben der Namen des Verstorbenen unddas Todesjahr eingeschnitten, seltener mit schwarzer Farbe aufgemalt. Reimsprüche zeigen sie nicht.Sobald Jemand gestorben ist, wird das Brett beim Tischler bestellt, der es mitbringt,wenn er zum Massnehmen des Sarges kommt. Die Leiche wird in irgend einer Kammer daraufgelegt und bleibt bis zu der gegen Abend des dritten Tages erfolgenden Einsargung auf ihm liegen.Darnach wird es auf einen viel begangenen Feldweg, auf Fusssteige, welche über nasse Wiesenführen, hinausgelegt, wo es verbleibt, bis es verfault ist. Jedermann soll, wenn er über ein Leichen-brett geht, für das Seelenheil des Verstorbenen beten. Herr Hauptm. i. R. M. H. sendet die'Mittheilung, dass in Aug. Silberstein's Erzählung:» Der Låden des Natz«( Coll. Spemann,15. Bd.) einschlägiges Material über den Gebrauch der Todtenbretter enthalten ist.Gemeindesiegel. Herr Ministerialrath Arthur Freiherr von Hohenbruckhat Herrn Landesrath Ant. Zachar in Czernowitz veranlasst, uns aus der Bukowina eine möglichstvollständige Collection von Gemeindesiegeln zur Verfügung zu stellen. Die Siegelabdrücke werdenfür jede Gemeinde abgesondert auf Zetteln, die Herr Zachar herumgesendet, gemacht, und werdenüberall, soweit dies thunlich ist, die Zeit, seit der man sich des Siegels bedient, dessen Entstehungund die sich an dasselbe allenfalls knüpfenden sagenhaften und historischen Traditionen ver-

zeichnet werden.

Schluss der Redaction: 20. März.

Druck von Gebrüder Stiepel in Reichenberg.