Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Ethnographische Chronik aus Österreich.

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tüchern, selbstgeknüpften Fransen auf Bettbezügen so schöne Zeugnisse ausstellte, bedarf untersolchen Umständen ausdrücklicher Ermunterung und sachverständiger Pflege, um sich nicht zumSchaden der Volksentwicklung mehr und mehr zu verlieren. Zum Glück finden sich hier und dorteinsichtige Persönlichkeiten, welche für die Erhaltung und zweckmäßige Weiterbildung alter volks-mäßiger Kunstübungen uneigennützige Sorge tragen. Für den Hausfleiß der weiblichen Bevölkerungvon Ischl und Umgebung wirkt in diesem Sinne die Leiterin der Frauen- Erwerbschule in Ischl,Fr. Maria Spanitz in aufopferungsvoller Weise. In einem Aufsatz:« Die Haus- Industrie alsErwerbsquelle der Älplerin»( Beilage zu Nr. 5 des« Ischler Wochenblatt», 1. Februar 1895),dessen Gedanken und Tendenzen vollständig in Einklang mit unseren von Prof. Dr. A. Rieglp. 6 dieser Zeitschrift gekennzeichneten Anschauungen stehen, befürwortet die verdienstvolle Ver-fasserin die Pflege der natürlichen Kunstfertigkeit und des Hausfleißes, welche die Alpenbewohnerinauszeichnet und« in denen ein mächtiges Erziehungsmittel, ein Segen der Familie, sowie ein nichthoch genug anzuschlagender Factor zur Erreichung des Volkswohlstandes» zu erkennen ist. Zurkräftigen Förderung dieser Bestrebungen hat sich in Ischl ein Verein gebildet, an dessen Spitzesich Herr Bezirkshauptmann Baron Aichelburg- Labia gestellt hat. Wir wünschen ihm einegedeihliche Wirksamkeit.

Hausforschung in Österreich. Der Verband deutscher Architekten-- und Ingenieur- Vereine hat sich auf besondere Anregung des Herm Geh. Rath Dr. A.Meitzen in Berlin zu einer allgemeinen Aufnahme der deutschen Hausformen insbesondere desländlichen Hauses- entschlossen. In Verfolgung dieser Aufgabe beabsichtigt der Wiener Ingenieur-und Architekten- Verein die einschlägigen Erhebungen für Österreich durchzuführen und tritt zu diesemZwecke mit verwandte Bestrebungen verfolgenden Gesellschaften in Verbindung. Ein Circulär mitden Gesichtspunkten für die Sammlung des Materials steht jedem Interessenten zur Verfügung,Der Ausschuss der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, welche seitmehreren Jahren der Erforschung des Bauernhauses in der Monarchie ihre besondere Aufmerksamkeitzuwendet, einen diesbezüglichen Fragebogen ausgesendet, mehrere Untersuchungen in verschiedenenLändern veranlasst und in ihren Mittheilungen veröffentlicht hat, wird auch in diesem Jahre durch Sub-ventionierung von Hausbauforschungen die genannte Sache fördern. Im Auftrage der AnthropologischenGesellschaft wird unser Ausschussrath, Herr Oberst i. R., Gustav Bancalari, eine Untersuchungder Typenschwankungen des volkstümlichen Hauses an den Nationalitäten- Grenzen des Alpen-gebietes und Herr Lehrer J. R. Bünker die Erforschung der Hausformen an der steirisch- ungarischenGrenze vornehmen. Wir werden über den Erfolg dieser Arbeiten seinerzeit berichten.

Volksliedersammlung in Westböhmen. Unser Mitglied Herr Dr. MichaelUrban in Plan veranstaltet eine Sammlung deutscher Volkslieder in Westböhmen und erließ zudiesem Zweck in dem Wochenblatt« Deutsche Wacht an der Miesa», Nr. 142 vom 9. Februar1895 einen Aufruf an die Deutschen Westböhmens,< namentlich an die Herren Lehrer, alles, wassie als Volkslied erachten, so aufzuzeichnen, wie es der Volksmund singt und sagt». Diese Auf-sammlung, der wir besten Erfolg wünschen, ist umso dankenswerter, als in der vom« Verein fürgemeinnützige Kenntnisse in Prag» jüngst herausgegebenen Sammlung von Volksliedern Deutsch-böhmens das westliche Böhmen keineswegs erschöpfend vertreten ist.

Sammlung der volkstümlichen Überlieferungen in Deutsch- Böhmen. DieGesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen veranstalteteine Aufsammlung der volkstümlichen Überlieferungen der deutsch- böhmischen Bevölkerung, welchesie in die Hände unseres Mitgliedes, des Herrn Univ.- Doc. Dr. Adolf Hauffen gelegt hat. Dieserbewährte Fachmann hat im Juli 1894 Fragebogen zusammengestellt, die sich in ausführlicherWeise auf alle Gebiete der Volkskunde mit Ausnahme der Mundart und der physischen Anthro-pologie erstrecken. Dr. A. Hauffen eröffnete die Sammlung zunächst auf einem kleinerenGebiete, um die später umfassendere Thätigkeit nach den im Anfange gewonnenen Erfahrungeneinzurichten, in den Bezirken Prachatitz und Schüttenhofen. Im Herbst 1894 wurde die Sammlungauch auf die Bezirke Friedland und Landskron erstreckt und allmälig ist die Durchforschung seitherauf 16 deutsch- böhmische Bezirke ausgedehnt worden. Die reichste Ausbeute gieng bisher ausdem Böhmerwald ein, aus welchem zumeist Lehrpersonen eine Menge volkskundlichen Stoffes,von alten Hirten, Holzhauern, Bauern und Bäuerinnen erfragt, eingeliefert haben. In der nächstenZeit soll die Vertheilung der Fragebogen in den südlichen und westlichen Schulbezirken vorge-nommen werden, während die nördlichen und östlichen Bezirke im Jahre 1896 zur Durchforschunggelangen werden.