Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Sitten, Bräuche und Meinungen des deutschen Volkes in Steiermark:

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Das« Zaunprügelzählen» wird von der männlichen Jugend gernversucht. Zuerst bestimmt man sich eine Zahl, geht dann zu einem Zauneund zählt von einem beliebigen Punkte aus die selbst bestimmte Zahl deraufrecht stehenden Zaunprügel ab. Dieser ist nun das Conterfei der Zu-künftigen. Ist der Stock frisch und glatt, so bekommt man eine schönejunge Frau, ist er aber alt, knorrig und rauh, so kann man sich auf einemit ähnlichen Eigenschaften behaftete Ehehälfte gefasst machen.

Der scherzhaften Unterhaltung halber wird diese Löẞ'lart oft vonmehreren jungen Männern gemeinsam vorgenommen.

( Aus dem Murboden.)***

In den an das Kärntnerland angrenzenden Gegenden von Ober-steiermark wandten die Mädchen, welche noch keinen Liebhaber hatten,ehemals gerne eine ganz seltsame Löẞ'lart an. Sie entkleideten sich amThomasabende vollständig ihres Gewandes und kehrten dann so, imnackten Zustande, nach rückwärts die Stube aus. Da sollte dann derZukünftige zum Mädchen ins Zimmer kommen und sie um ein StückchenBrot bitten.¹)

Wenn man in der Thomasnacht auf das Geklapper der Mühlenoder das Geräusch der Sägen genau achtet, kann man Zukünftiges er-fahren. Klingt das Klappern der Mühle oder das Schnarren der Bretter-säge hell, so geht Einem das, woran man eben gedacht, in angenehmeErfüllung klingt es dumpf und schaurig, steht dem Horcher oder einemseiner Liebsten« aus der Freundschaft» der Tod bevor.( Aus Kallwang.)***Die eigentliche Weihnachtsfeier beginnt mit demhl. Abend,

auch Christabend genannt. Dieser wird in allen strenggläubigenFamilien mit Fasten eingeleitet. Herrnleute wie auch die Dienstbotenerhalten zu Mittag wenig oder gar nichts zu essen mit der Aussicht aufein desto reichlicheres Nachtmahl.

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In den meisten Gegenden

Der hl. Abend ist eine« Rauchnacht».Steiermarks, im oberen und unteren Murthale, im Liesing-, Enns- undMürzthal, sowie in den Seitenthälern wird an diesem Abend das ganzeHaus geräuchert und der böse Feind beschworen.

Bei Anbruch der Dämmerung versehen sich der Bauer oder Haus-besitzer und ein männlicher Sprosse der Familie oder ein Knecht miteinem Kohlenbecken, mit Weihwasser und Sprengreisig. Ersterer trägtdas Becken, aus welchem Weihrauchwolken emporqualmen, letzterer diebeiden andern Gegenstände. Schweigend und ernst durchschreiten dieBeiden alle Räume des Hauses, auch die Wirtschaftsgebäude und Stallungen.Alles, was da liegt und steht, die Menschen und Thiere, werden besprengtund beräuchert; häufig werden auch die Grundstücke umgangen und aufsolche Weise eingesegnet.

1) Nach Mittheilung des H. pens. Pfarrers J. Koffler in Stadl ob Murau.