Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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1 (1895) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Die Wichtigkeit der Sammelns volksthümlicher Pflanzennamen.

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5. Medicinisch. Man magüber die Volksheilkunde denken wie man will,Thatsache ist, dass das Volk manche heilkräftige Pflanz e kennt, dieauch in der wissenschaftlichen Medicin angewandt zu werden verdiente.

Im Vorstehenden habe ich nur die Bedeutung der Volksnamen fürdas deutsche Volk besprochen, selbstverständlich gestatten meine Er-läuterungen auch für jedes andere Volk eine sinngemäße Anwendung.In unserem vielsprachigen Österreich ist die Erhebung der Pflanzennamendes Volkes von weit größerer Bedeutung, als dies in einem sprachlicheinheitlichen Staate der Fall wäre, denn die Volksnamen sind nichtnur sprachliche, sondern kulturgeschichtliche Urkunden,welche geeignet sind, über die ehemaligen Völkergrenzen und Cultur-zustände Licht zu verbreiten. Zu diesem Zwecke dürfen bei der Samm-lung der Volksnamen die politischen Grenzen keine Schranken bilden,wie es leider bei den bisherigen Untersuchungen fast stets der Fall war.Die Angabe eines Volksnamens beispielsweise für Böhmen ist geradezusinnlos, da bekanntlich in Böhmen 4 deutsche und mehrere tschechischeMundarten gesprochen werden.

Glücklicherweise ist in der neuesten Zeit mit dem Stammesbewusst-sein auch der Sinn für das Volksthum erwacht, und die lang ver-schmähten Mundarten kommen immer mehr zu Ehren. Das lässt michhoffen, dass meine Anregung zu einer Verbesserung der Pflanzenbenamsungkein frommer Wunsch bleiben wird.

Hexenspiel.

Ein salzburgisches Bauernstück.Herausgegeben von Dr. Wilhelm Hein.

Als ich im Jahre 1893 eine Wanderung durch die Thäler Salzburgs und Tirols machte,um nach hölzernen Gesichtslarven für alte Volkstänze und Volksschauspiele zu fahnden, gelang esmir in der Prettau und in Krimml auf Textbücher zu stoßen, welche noch in der letzten ZeitVerwendung gefunden hatten. In Krimml ist es Rupert Wechselberger, welcher die tirolischenSpiele in das Salzburgische verpflanzte und eine Anzahl von Krimmler Ortsinsassen zu einerSchauspielertruppe vereinigte, die sich aber bald auflöste, da die Spieler zum Militär einrückenmussten. Gelegentlich einer Bergtour erhielt Herr Dr. Josef Patzau in Wien von Wechselbergerdie Texte zum Nikolaus- und zum Hexenspiel. Auf mein Ansuchen überließ mir Herr Dr. Patzaudie Texte, von denen der des Nikolausspieles eine ziemlich alte Handschrift zeigt und auch nichtvollständig ist, während jener des Hexenspieles von Wechselberger selbst nach einer Vorlagegeschrieben ist. Da Wechselberger behauptete, das Nikolausspiel Herrn Dr. Patzau trotz gegen-theiliger Mittheilung nur geliehen zu haben, so stellte ich dieses dem angeblichen Eigenthümerzurück, nachdem ich den Text genau copiert hatte. Das Hexenspiel wollte Wechselberger selbstgedichtet haben, was vielleicht für das Hexen- Nachspiel richtig sein mag.

Auf mein Ersuchen wurde das ganze Hexenspiel am 2. Februar 1894 in Johann Auer'sGasthaus zu Oberkrimml aufgeführt.

Die Schauspieler trugen Holzmasken, welche ein Krimmler Holzschnitzer verfertigt hatte;nur der Darsteller der Bäuerin zog es vor, eine gekaufte Papierlarve zu verwenden, da ihm, wieer meinte, diese besser stehe. Gespielt wurde Abends nach acht Uhr im Flur des Oberstockesmitten im Publikum, das zum Theile auf improvisierten Brettersitzen, denen Bierfässer den nöthigenHalt gaben, Platz nahm, zum Theile aber dichtgedrängt den engen Bühnenraum umstand, derdurch eine Decke gekennzeichnet wurde, welche der Vorläufer auf den Boden breitete. Als An-kleideraum diente das nächstgelegene Zimmer, das durch einen Vorhang verschlossen wurde. Spär-liche Öllämpchen erhellten die Bühne, in deren Mitte ein Tisch und zwei Stühle standen.