Die Wichtigkeit des Sammelns volksthümlicher Pflanzennamen.
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Man darf nicht vergessen, dass unsere ländliche Bevölkerungthatsächlich viele Pflanzen kennt, was man von unseren« Ge-bildeten» nur selten behaupten kann. Bei Wiesenbesprechungen, die ichmit Landwirten hatte, kannten sie selten weniger als 100 Wiesen-pflanzen mit Namen. Es kann auch kaum anders sein. Schon dasKind des Landwirtes, das sich in den Wiesen und Heiden herumtummelt.lernt die Blummen kennen und lieben. Die Mutter bringt ihm nichtNaschwerk, wenn sie außer Hause war, sondern einen Strauß Feldblumen.Des Kindes erste Frage ist dann:« Mutter, was ist das? wie heißt dieseBlume?» Dem Bauer selbst, der im Schweiße seines Angesichts der Naturihre Gaben abringt, dem kann es nicht gleichgiltig sein, was für Pflanzenauf seiner Wiese wachsen, was für Unkräuter auf seinem Felde sind.Er muss sich mit ihnen bekannt machen, will er sich vor Nachtheilenbewahren. Es kann ihm nicht nebensächlich erscheinen wie dem Städter,ob die Pflanzen genießbar oder giftig sind, denn das Wohl und Weheseines Viehstandes hängt damit zusammen. Die Erfahrungen der Bauernvererben sich von Geschlecht zu Geschlecht. Mögen sie auch meist inabergläubischen Kleidern stecken, so sind sie doch meist, wie ich michüberzeugte, richtig. Es knüpft sich Erfahrung an Erfahrung( trotzdemder innere Zusammenhang unbekannt bleibt), weil die lebendige Wechsel-beziehung zwischen der Natur und der Bevölkerung weiter besteht, auchwenn die Menschen in ihr wechseln.
An wen man sich beim Sammeln von Pflanzennamen wird wendenmüssen, ist nach dem schon Gesagten klar.
Die Holzgewächse kennen: Jäger, Heger, Holzarbeiter( Binder,Tischler, Drechsler u. s. w.);
Acker- und Wiesenpflanzen:
Mägde, Jäterinnen, Graserinnen;
Bäuerinnnen, arme Häusler,
Arznei- und Giftpflanzen: Naturheilkünstler, Curpfuscher,weise Frauen;
Gemüse- und Zierpflanzen: Blumenliebhaber, Grünzeugweiber Glossar ::: zum Glossareintrag Grünzeugweiber,Marktweiber Glossar ::: zum Glossareintrag Marktweiber.
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Studierte oder vielgereiste Leute sind bei der Sammlung der Volks-namen nicht zu befragen, weil sie nichts oder nur Falsches darüberwissen, ausgenommen, wenn sie zu den weißen Raben gehören, welche volks-kundliche Studien treiben: kurz, man muss sich an jene Menschenwenden, welche mittelbar oder unmittelbar mit den Pflanzenzu thun haben. Nothwendig ist es ferner, an Ort und Stelle Er-kundigungen einzuziehen, denn der Bauer erkennt die Pflanzennicht infolge näherer Betrachtung, sondern infolge des Auftretens in derNatur, in einer ganz bestimmten Umgebung, zu einer bestimmten Zeit.Reißt man die Pflanzen aus, oder zeigt man sie gepresst, so kann sichder gemeine Mann nur schwer den natürlichen Standort hinzudenken underkennt die Pflanze nicht mehr. Einfärbige Abbildungen und Pflanzen-beschreibungen sind aus gleichen Gründen für das Sammeln der Namenohne den geringsten Wert.