Die Wichtigkeit des Sammelns volksthümlicher Pflanzennamen.
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Pflanzenforscher des einen Volkes kannten oft die Arbeiten ihrer Fach-genossen anderer Völker nicht, oder wollten deren Fachgröße nicht an-erkennen. Thatsache ist, dass sehr vielen lateinisch- griechi-schen Namen gegenwärtig die alldeutsche wie die inter-nationale Anerkennung mangelt. Alles was man bisher zu Gunstender technischen Namen gesprochen und geschrieben hat, ist aber geradeihre internationale Anerkennung, wodurch sie angeblich himmelhoch überden Volksnamen stehen. Indessen haften den technischen Namen, derenunbedingte Nothwendigkeit in der Wissenschaft selbstver-ständlich außer Frage steht, Mängel an, die man in weiterenKreisen der Bevölkerung nicht kennt. Daher ist man geneigt, die tech-nischen Namen in allen Mittelschulen und in Volksschulen die deutsche/
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Übersetzung derselben zu lehren, über die Volksnamen aber zur Tages-ordnung überzugehen. So nachsichtig man sonst gegen Fremdwörter ist,so unduldsam ist man anderseits gegen die von der Mundart aufzu-nehmenden Ausdrücke. Die wenigen sogenannten deutschen Pflanzen-namen, die in manchen Schulen den Kindern geboten werden, sind inWirklichkeit nur verdeutschte lateinisch- griechische. Als mit der Hebungder Volksbildung den Schülern auch naturwissenschaftliche Kenntnissebeigebracht werden sollten, mussten sich die Gelehrten wohl oder übelherbeilassen, deutsche Pflanzennamen einzuführen. Da sie aber wederVolkskenner noch deutsche Sprachforscher waren, so begnügten sie sichin der Regel damit, die technischen Namen so gut es angiengübersetzen. Bei den Artnamen, die durch lateinische Eigenschafts-wörter ausgedrückt werden, gieng es leicht, nicht so mit den griechischenGattungsnamen. Wie schwerverständlich und irreführend diese Namensind, mag daraus erhellen, dass einerseits nur wenige Pflanzen Griechen-lands und Italiens bei uns wachsen, so dass wir die alten Namen, vondenen wir meist nicht einmal wissen, auf welche Pflanzen sie angewandtwurden, auf ganz andere Arten Mitteleuropas beziehen, dass anderseitsdie Religions- und Naturanschauung, welche für die Namengebung vongrößter Bedeutung ist, bei den alten Culturvölkern von Grund aus eineandere war, als bei den Germanen. Kaum ein Drittel der Gattungenführen bezeichnende technische Namen, welche eine Übersetzung verlohnenwürden. Wer sich davon überzeugen will, der lese in der Synopsis derPflanzenkunde von Leunis nach, der sich die, wie ich glaube; zweckloseMühe nahm, die Gattungsnamen zu erklären. Zu Gunsten der tech-nischen Gattungsnamen für den deutschen Volksgebrauch,von dem allein hier die Rede ist, spricht also gar nichts: siesind so wenig als die deutschen Volksnamen international,dafür aber weit schwieriger zu verstehen und zu merken.
« Ja!», wird man mir sagen,« zugestanden, dass die Volksnamen imallgemeinen kürzer, schöner, bezeichnender und, wie ich hinzusetze, gegen-wärtig noch mehr im Gebrauch sind, als die wissenschaftlichen, gibt esaber für jede Pflanze einen Volksnamen und ist es denn nicht wahrdass für ein und dieselbe Pflanze zu viele Volksnamen bekannt sind, ja,