Vereinsnachrichten."
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unserer Bevölkerung hinweg. Die ländlichen Trachten verschwinden, die bäurischen Hausformenverstädteln, Sage und Volkslied, Spruch und Sang, Spiel und Tanz, die alten Sitten, Bräuche undGewohnheiten sterben in ihrer Originalität aus und die städtische Cultur dringt unaufhaltsamnivellierend ins Dorfleben ein. Es ist hohe Zeit, zu forschen und zu sammeln, zu retten und zuerhalten, damit der Zukunft wenigstens ein treues Erinnerungsbild und der Forschung die Documenteder Vergangenheit auf bewahrt bleiben.
Hier einzutreten muss der gebildeten österreichischen Bevölkerung ihr historischer Sinn,die Selbstachtung, das Heimatsgefühl in gleicher Stärke gebieten. Nur durch das zielbewussteZusammenarbeiten vieler Theilnehmer, die ein Beobachtungs- und Sammelnetz über alle LänderÖsterreichs ausbreiten helfen, lässt sich diese große und umfassende Aufgabe lösen.
Der Verein für österreichische Volkskunde» stellt sich freudig in den Dienstdieser Aufgabe als der Vorarbeiter für kommende staatliche Fürsorge. Es gilt, in gemeinsamer Sammel-thätigkeit der Mitglieder alle Documente des volksthümlichen Lebens der österreichischen Nationali-täten für ein künftiges österreichisches Völkermuseum aufzusammeln und ein solchesinzwischen zu ersetzen, und es gilt, in literarisch- wissenschaftlicher Thätigkeit durch die Heraus-gabe einer Zeitschrift für österreichische Volkskunde ein umfassendes Verständnis desVolksthums zu gewinnen und zu vermitteln.
Wir bitten also alle Freunde unserer Sache innerhalb der im Reichs-rathe vertretenen Königreiche und Länder, die hohen Behörden, die wissenschaftlichenInstitute und Musceu, die Schulen und geistlichen Stifte, alle Vereine und Corporationen, welchesich mit verwandten Aufgaben beschäftigen, wir bitten jeden denkenden Freund seiner Heimatund seines Volksstamms, die Zwecke unseres Vereines fördern zu wollen:
zunächst durch den Beitritt zu unserem Vereine, der einen jährlichenMitgliedsbeitrag von 1 fl.( bei Bezug der Zeitschrift 3 fl.) einhebt;
durch Zuwendung von Subventionen und Unterstützungen behufs materiellerSicherung seines Bestandes;
sodann durch geschenk- oder leihweise Zuwendung von öster-reichisch- volksthümlichen Gegenständen jeder Art, die stets mit demNamen des Eigenthümers oder Spenders zur Ausstellung gebracht werden sollen;und endlich durch Mitarbeiterschaft an unserer Zeitschrift, dieein Vereinigungspunkt aller volksthümlichen Forschungsthätigkeit in Österreich zu
werden bezweckt.
In unserer Zeit, wo nationale und sociale Fragen eine so lebhafte Vorherrschaft imöffentlichen Interesse behaupten, gewinnt eine Thätigkeit wie diejenige, welche unser Verein sichvorgesetzt hat, über ihre wissenschaftliche und vaterländische Wichtigkeit hinaus auch ungewolltund ungesucht eine ganz besondere Bedeutung. Sich kennen lernen, heißt sich verstehen, heißtInteresse an einander finden. Sicherlich ist die Wahrnehmung der vielfach so verwandten Grund-lagen und Äußerungen unserer Nationalitäten geeignet, beruhigend und verbindend zu wirken. ImGanzen aber liegt das Unternehmen, an das wir herantreten, so innig im warmen Heimats-gefühle des Österreichers begründet, dass wir zuversichtlich auf Erfolg und Gelingen durchdie allgemeine Mitwirkung der österreichischen Bevölkerung hoffen dürfen.
Wien, Mitte December 1894.
Dr. P. Ars. Aïdyn, Erzbischof von Salamina,Generalabt der Mechitharisten- Congregation,Wien.
Dr. Eduard Albert, k. k. Hofrath, Universitäts-Professor, Wien.
Ferdinand Freiherr v. Adrian- Werburg, k. k..Ministerialrath a. D., Präsident der Anthro-pologischen Gesellschaft, Wien.
Alfred Ritter v. Arneth, k. u. k. wirkl. Geh. Rath,
Dir. des Haus-, Hof- u. Staatsarchivs, Wien.Frau Lucia Bakeš, Großgrundbesitzerin undSchriftstellerin in Klein- Urhau.
Gustav Bancalari, k. u. k. Oberst i. R., Linz.Dr. Otto Benndorf, k. k. Hofrath, Universitäts-professor, Wien.
Julius Botstiber, Privatbeamter, Wien.Dr. Rudolf Botstiber, Gemeindearzt, Donaufeld.Anton Breitner, Schriftsteller, Obmann desScheffelbundes, Mattsee.
Joachim Freiherr v. Brenner- Felsach, k. u. k.Kämmerer, Gainfahrn.
Bruno Bucher, k. k. Regierungsrath, Vice-Director des k. k. österr. Museums für Kunstund Industrie, Wien.