Ethnographische Chronik aus Österreich.
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Kopfbedeckung der verheirateten Frauen aus Stopczatów, Bezirk Kolomea, ist wegen ihrer Stickereibeachtenswert; interessant ist die Faltenlegung der Zipfel.
Die den Huzulen benachbarten Bewohner des Hügellandes tragen auch eine kurze Kleidung;ihre Tracht ist leicht und malerisch.
Die Tracht des Mädchens aus Zawale, Bezirk Śniatyn, deutet auf rumänischen Einflusshin, der sich bereits ganz Bukowina unterworfen hat und in die benachbarten Dörfer Galizienseindringt. Eine echte Rutenin schmückt ihr Haupt reich mit Blumen, Bändern und Wollgarn undstickt ihr Hemd gewöhnlich mit rother Wolle; die Rumänin dagegen verziert ihren Kopf mitallerlei buntem Flitter, den sie auch zur Ausschmückung des Hemdes verwendet. Bei dem erwähntenMädchen bezeugen der seidene Rock und das ebenfalls seidene, unter dem Gürtel gesteckte Tuchdiesen Einfluss. Das kurze, ärmellose Pelzchen hat einen rumänischen Namen:« curkanka».
Das Mädchen aus dem Bezirke Rohatyn steht vollkommen unter dem modernen Mode-zwang; die Muster seiner Schürze sind unverstandene, irgend einer Schulvorlage entnommene Motive.Die Figurinen der Städtebewohner aus Uhnów, Kamionka, Kulików, Trembowla undŻółkiew geben ein Bild malerischer, ehrwürdiger Tracht. Ein langer Oberrock, an der Hüfte durcheinen seidenen, häufiger jedoch durch einen wollenen Gürtel festgehalten, und eine hohe Mützeverleihen diesen Gestalten eine außergewöhnliche Würde.
Außer den eben besprochenen ungemein lehrreichen Figurinen sind in dem zweiten Saalenoch verschiedene einzelne Trachtenstücke, ferner Teppiche, Tisch- und Bettdecken, Handtücher,Taschen u. s. w. ausgestellt, an denen man die typischen Stickereimuster studieren kann. Fernererregen die Aufmerksamkeit des Besuchers die Oster- und Hochzeitskuchen, namentlich letzterewegen ihrer altüberlieferten, symbolischen Formen und der mit ihnen vergesellschafteten, mannig-faltig aufgeputzten Bäumchen.
Der dritte Saal ist einer kleinen Auslese von Musikinstrumenten, einer hübschen Sammlungvon Pferdegeschirr, Fischfanggeräthen, Körben und sonstigen in der Wirtschaft gebräuchlichenGegenständen, sowie einer prächtigen Reihe von keramischen Producten gewidmet.
Im vierten Saale sieht man wieder einige Figurinen, darunter eine Bürgersfrau aus Saybuschmit goldenem Mieder und mit Goldhaube, zwei andere Frauen aus demselben Ort mit Silberhauben;ferner eine reiche Sammlung von Trachtenstücken aus ganz Galizien und Gegenstände der Hausindustrie.
Der ethnographische Pavillon» ist der Glanzpunkt der ganzen Ausstellung. Außerdemgibt es noch einzelne Pavillons, in denen man polnische Ethnographie betreiben kann, wie in demfür weibliche Handarbeiten, der manches Ausgezeichnete bietet. Schließlich muss man noch dielebende Landbevölkerung als ein äußerst dankenswertes Studienobject bezeichnen, die allsonntäglichin starker und buntgemischter Vertretung die Ausstellung besucht.
Ein gedruckter Führer« Katalog działu etnograficznego», dem ein Theil der obigen Detailsentnommen ist, erleichtert dem der Landessprache Kundigen die Orientierung in dem farbenprächtigenAllerlei, das ihn in eine fremde und höchst interessante Welt versetzt.
Adele Pfleger, Lehrerin in Trzebinia.
IV. Literatur der österreichischen Volkskunde.
1. Besprechungen.
1. Adolf Hauffen: Das deutsche Volkslied in Österreich- Ungarn. Aus derZeitschrift des Vereines für Volkskunde. Heft I, 1894.
Der erste Versuch einer zusammenfassenden Charakteristik des deutschen Volkliedes inÖsterreich- Ungarn, welcher hier vorliegt, ist mit großer Sachkenntnis und feinsinnigem Verständnisunternommen. Das österreichische Volkslied hat ein ganz äußerliches Erkennungszeichen: dieMundart; der Grund hiefür wird gewiss mit Recht in der größeren Abgeschiedenheit vom Verkehrgesucht. Eine Ausnahme hievon bildet die älteste und vornehmste Gruppe der Volkslieder, dieBalladen und historischen Lieder, welche in schriftdeutscher Sprache aus dem Reich in die öster-reichischen Länder eingedrungen sind. In der vortrefflichen Übersicht des österreichischen Volks-liederschatzes, welche Verfasser gibt, werden die Almlieder, die Schnadahüpfeln und die Lieder derSprachinseln als unserer Heimat eigenthümlich mit Recht hervorgehoben. Von letzteren sind dieder Gottscheer Sprachinsel uns durch den Verfasser kürzlich in einem besonderen Werke zugäng-Zeitschrift für österr. Volkskunde. I.
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