Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde49 (1944) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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49 (1944) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Wanderer als Hausinschrift anblickt: immer drückt sich in all dem derWille des Rätsels zum Ganzen aus. Und gerade darin fei es uns auchin der volkskundlichen Arbeit Vorbild, damit wir wieder zu jenerEinheit aller Lebensäußerungen gelangen, die wir aus Gründen derÜbersicht zwar getrennt untersuchen müssen, deren Grenzen aberfließend sind, und die in jenes Wesenhafte einmünden, das FriedrichLudwig I a hn mit dem schönen Wort Volkstum gemeint hat.

Bemerkung zu obigem Aufsatz: Mit dem Hinweis auf die Ent=sprechungen, die der Rätselstreit der ethischen Dichtung Alvismal" im alpen-ländischen Rätselwettstreit bei Hochzeiten hat, glaube ich dargetan zu haben, daßes sich hiebei um eine Erprobung des Scharfsinnes des Freiers handelt, der nuneben im Leben auf allen Gebieten feinen Mann soll stellen können.( Vgl. Deutsche Volkskunde", Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft für deutsche Volks-funde 1943.)A. Haberlandt.

Bauerndoktoren und Hexenglaube im Brixental.Von Anton Schipflinger, 3. 3. im Felde.

Die Heilkunde hat ſtets im Volke Männer gefunden, die sich fürsie interessierten, die weiter forschten und als schlichte, einfache Bauern-doktoren im Volke wirkten. Im folgenden möchte ich von solchen Män-nern berichten, die im vergangenen Jahrhundert im Brixentale lebten.Manche wurden über das Brixental hinaus bekannt, andere wiederwaren weniger bekannt, verdienen es aber auch hier verzeichnet zuwerden. Diese Doktoren waren Bauern und manche übten ihreKunst für Mensch und Vieh, die meisten jedoch waren nur Vich-doktoren.

Der berühmteste Bauerndoktor war der Herenliandl, Le on-hard Schip flinger. Geboren wurde er am 15. September 1826in Hopfgarten auf dem Bauernhofe zu Unterau. Sein Vater warRupert Schipflinger und seine Mutter war Luzia Tiefenthaler vonSchwendt in der Windau. Der Volksmund erzählt, Hexenliandl ſei einWeißensonntagskind und daher schon im vorhinein mit übernatür-lichen Kräften ausgestattet geweſen. Leonhard kam ſchon in frühenJahren als Hirte auf die Alm, später dann als Senner. Im Winterwar er daheim und in älteren Jahren wurde er Fütterer. Durch denvielen Umgang mit dem Vieh lernte er dessen Krankheiten kennen.Seine Fähigkeiten auf diesem Gebiete ließen ihn bald zu einem be-fannten Bauerndoktor werden.

Von weit und breit kamen Leute zum Hexenleandei und ließensich von ihm kurieren. Selbst aus Venedig ſollen reiche Grafen zu