Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde47 (1942) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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47 (1942) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Stein wieder auszugraben und an seinen früheren Plazz hinzuführen.Die gleiche Erfahrung machte ein Bauer aus Schweinburg, der gleich-falls ein Sühnkreuz als Prellſtein gebraucht hatte. Seit dieser Zeitgeisterte es im Haus und im Stall so lange, bis er den Stein an seinenStandort zurückbrachte.

Ich möchte hier noch kurz darauf verweisen, daß die erwähntenSagenzüge auch in den volkstümlichen Anschauungen über die Toten-bretter wiederkehren. Ein junger Bursche, der einst die Wette einging,ein Totenbrett von seinem Standort wegzutragen und darauf zu schlafen,mußte den Frevel bitter büßen. Das Brett wurde beim Tragen immerschwerer und plötzlich ſtand eine weiße Frau vor ihm, die ihn amWeitergehen hinderte. Eine furchtbare Laſt hielt ihn mit ſeinen Armenumklammert und brachte ihn zu Fall. Als am nächsten Morgen seineAngehörigen ihn auffanden, konnten sie in dem gebrochenen, weiß-haarigen Greis kaum den kraftſtroßenden Jüngling vom Vortage er-kennen º). Die Sage zeigt wohl das Motiv des Schwerwerdens, dochwird das Totenbrett bzw. die weiße Frau zum aufhockenden Wieder-gänger. Wieder ein anderer Mann hatte aus gestohlenen TotenbretternTaubenschläge gemacht, weil nach dem Volksglauben die Tauben nichtdavonfliegen, wenn das Ausflugbrett des Schlages aus folchem Holzist. In der Nacht kamen die Toten und wollten ihre Bretter wiederhaben. Das war ein Lärm ſondergleichen; eine Nacht nach der anderen,bis in der dritten Nacht der Mann aufstand, die Taubenſchläge einrißund das Holz wieder dorthin trug, wo er es genommen hatte).

Wir treffen also auch in diesem Sagenkreise auf die gleichen Vor-stellungen, wie das Schwerwerden, die Rückkehr an den ursprünglichenStandort und die Schädigung von Mensch und Tier. Diese Feststellungist um so bedeutsamer, als die angeführten Motive nicht allein in denSagen von Menhiren, Bauta- und Runenſteinen, mittelalterlichenSühnekreuzen und Totenbrettern nachzuweisen sind, ſondern auch inder christlichen Legende weiterleben. Kreuze, Heiligenbilder und Sta-tucn, Glocken werden schwer, wenn sie von ihrem ursprünglichen Stand-ort entfernt werden. Oftmals kehren sie so lange wieder, bis an dieserStelle eine Kapelle oder ein Gotteshaus errichtet wird. Das Motivder Schädigung ist ebenfalls wenn auch seltener vorhanden.Eine Sage aus Schleswig- Holstein berichtet"): Einmal pflügte ein

9) G. Jungbauer, Böhmerwald- Sagen, 1924, S. 222.

10) Ebenda, S. 221.

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11) S. Müllenhoff, Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig-Holstein und Lauenburg. Kiel, 1845, S. 115, CXLIV.