Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde46 (1941) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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46 (1941) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Die beliebtesten Zeiten für Hochzeiten sind Lichtmeß, Fasching und Ostern.Wenn zwei Eheleute nicht mehr dergschaff'n" und ſie tun auseinander,so wird der Braut beim Wegführen des Watsams( follte der Mann zuichi-geheiratet haben, so diesem) eine Buchlmusik gemacht. Man nimmt Bock-hörner, Deckel und Kübel und macht damit Lärm, man begleitet den Watsam.Manchmal passen die Buchlmusikanten an geeigneten Stellen und machen dortihr Ständchen. Daß zwei Eheleute auseinander tun, kommt sehr selten vor,denn die gesunde Ansicht über die Ehe, die im bäuerlichen Kreiſe herrscht, übtschon bei der Wahl der Braut ſeine Kraſt aus. Auch wäre es eine nie tilgbareSchande, wenn der Watsam mit der Buchlmusik zurückgeführt würde.

Literatur der Volkskunde.

Giulio Fara: L'Anima della Sardegna, La Musica tradizionale,herausgegeben vom Comitato Nazionale Italiano per le Arti Popolari,1940, 191 S.

Der Verf. legt das Ergebnis seiner 35jährigen Erforschung der sardischenVolksmusik vor, über die er 21 Abhandlungen veröffentlicht hat, in denen er siemit der anderer Länder, insbesondere Spaniens und Afrikas, verglich. VieleAbbildungen veranschaulichen die Instrumente, die zum Teil nur noch alsKinderspielzeug im Gebrauche stehen, vom Strohhalm, in den eine vibrierendeZunge geschnitten ist und dem durchbohrten Aprikosenkern, bis zu den mitTrommel verbundenen oder aus drei ungleich langen Nohren bestehendenFlöten wird ihre Anwendung techniſch muſikaliſch erklärt und ihr Urſprung ver-folgt, der meist in Nordafrika liegt, aus dem ja die Sarden in vorgeschicht-licher Zeit eingewandert sein dürften: Dabei hält sich der Verf. frei von derNeigung, alle übereinstimmungen durch Traditionen zu erklären und gibt derselbständigen Entstehung des Gleichartigen unter gleichen Vorausseßungen ihrMecht. Dies trifft insbesondere bei diesem meerabgeschiedenen Volke und ſeinemLieblingsinstrument, der dreiteiligen Flöte, zu. Ein vergleichendes Bild zeigtden Schnitt der Flöte in fünf verſchiedenen Grundformen in Afrika, Ungarn,Sardinien. In 108 Notenbeispielen werden Kaufrufe der Milch- und Fisch-händler, Wiegenlieder, Kinder- und Kirchensänge, Liebes- und Tanzlieder mitvielen Textproben wiedergegeben. Glaubhaft ist seine Darstellung, daß beimTanze die Flötenbegleitung älter ist als das Tanzlied. Auch beim mehr-stimmigen Geſange besteht keine echte Polyphonie, in der jede Stimme ihreeigene Melodie verfolgt. Die Texte sind oft zu sinnlosen Silbenfolgen_ab-geschwächt. Bei Schilderung der Totenflage tritt der Verf. gleich anderensardischen Schriftstellern der durch die eingehende Darstellung der romantischenBräuche und ihrer Beziehung aus die Blutrache entstehenden Mißdeutung ent-gegen, als ob die bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts lebendigen Sittenheute noch allgemein wären. Der ursprünglich wilde Musikcharakter, der oftgleich den korsischen voceri dem Rachetrieb Ausdruck gab, ist vielfach so ab=geschwächt, daß der Text von Wiegenliedern ihm unterlegt wird. Nur aus-nahmsweise ist die Totenklage ein bezahlter weiblicher Beruf. Sonst obliegt