52
Auch ist es Sitte, dem Diandl zu gewiffen Zeiten, Namenstag, Oſternund zu Weihnachten ein kleines Geschenk zu geben. Die Gegengabe bestehtmeistens aus einem Tabakbeutel. Zu Weihnachten geben sie sich auch denScheaschz" gegenseitig.
_
Kann ein junger Mann zwanzig Traidhiefel, Sense, Rechen und Eiſen-stecken auf einmal tragen, dann darf er heiraten- er ist heiratsfähig; er be-sitzt die Kraft, für eine Familie das Brot zu verdienen. Der Bua im Mahd,das Diandl im Bad; so soll der Altersunterschied zwischen dem Buam und demDiandl sein. Diefer Altersunterschied wurde früher sehr oft beobachtet.
Ist die Heirat vereinbart, so folgen gleich die ersten Vorbereitungen.Beim Tischler wird der Watsam angeschafft; die finanzielle Frage, das Erb-teil, wird geregelt, falls dadurch dem Bräutigam Vorteile erſtehen sollten.
Sind die Vorbereitungen entsprechend weit gediehen, so geht man zumPfarrer„ an Handschlag"( Brautexamen). In Söll wird geschossen, wenn dasBrautpaar den Pfarrhof verläßt vom„ Handschlag geah'n". Für das Schießenbekommen die Schüßen beim Wirt ein Essen, welches das Brautpaar zahlt.
-
man
Wird das Brautpaar zum erstenmal„ verkindt“, dann fahren sie an die-sem Sonntag nach auswärts. Zwischen dem dreimaligen Verkündennennt diese Zeit die„ Breitschaft" gehen die Brautleute zu den nächstenVerwandten, bringen ihnen ein kleines Geschenk, meistens von„ an Gwandeppas“, wofür sie wieder eine Gegengabe erhalten. Bei diesem Gang laden ſieReute zur Hochzeit ein.
Am letzten Verkündtag müssen die Brautleute in ihrer Gemeinde zurKirche gehen.
Die Woche vor der Hochzeit ist die Woche der Grunacht und des Watſam-führens. Die Grunacht findet am Donnerstag vor dem letzten Verkündsonntagim Hause der Braut statt und kann nur dann stattfinden, wenn die Brautkeine„ Hoamatkray"( Besizerin eines Hofes) iſt. Den Watsam führt man amSamstag in der letzten Brautwoche in das Haus des Bräutigams.
Bekannte Muſikanten und Sänger werden vom Brautvater gedungen.Der Schnaps darf nicht fehlen. Als Musikinstrument wird meistens eine Zieh=harmonika und eine Harfe gebraucht, manchmal auch Zither und Gitarre. Istdie Musik im Gang, dann wird mit dem Tanz begonnen. Geladen werden zuder Grunacht die näheren und weiteren Nachbarn und Verwandte der Braut.Der Bräutigam kommt erst dann zur Grunacht, wenn man mittendrin iſt.
Braut und Bräutigam müſſen auch den„ Brauttanz“ tanzen. Wenn derBrauttanz getanzt wird, darf sonst niemand tanzen. Bei der Hochzeit mußdieser Tanz wiederholt werden. Er wird jedesmal dreimal getanzt.
Die Grunacht ist eine Abschiedsfeier der Braut. In wenigen Tagen ver-läßt sie das Elternhaus, zieht in ein neues Haus, in einen neuen Hausſtand.Dieses Abschiednehmen wird von der ganzen Nachbarschaft mitempfunden undmitgefeiert. Dieser Abschied darf nicht ein trauriger sein, sondern man freutsich über das Glück der Braut. Mit tiefernster Freude verläßt die Braut ihr„ Hoam" und zieht in das Haus des Bräutigams, um mit diefem gemeinsameine neue„ Hoam" zu gründen, mit ihm zu schaffen, zu sorgen und an denFreuden gemeinsamen Anteil zu nehmen.
Am Samstag wird Watsam g'führt. Einen Teil der Pferde und Männerdingt die Braut und einen Teil der Bräutigam. Nachbarn, die ein Pferd haben,