Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde46 (1941) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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46 (1941) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Alle, die im Sommer bei der Heuarbeit mitgeholfen haben, werden zudiesem Essen geladen und bekommen den üblichen Weihnachstzelten, denn esist Brauch, daß auch die Sommermahder einen Zelten vom Bauern bekommen.Die Jghaisleut erhalten darüberhin noch die übrig bleibenden Speisen,

Der Stephanstag ist der Tag, wo der Bua zum Diandl geht und um-gekehrt und der Göd zum Patenkind um den Scheaschz. Der Göd gibt ſeinemPatenkinde für den Scheaschz ein kleines Geldgeschenk, welches in die Spar-tasse der Kinder, in das God'n( g) spatl", wandert. Auch ist es Sitte, daß beiden Wirtshäusern, wo eine Landwirtschaft dabei ist, am Vormittag des Ste-phanitages Schnaps auf dem Tische steht. Von diesem Schnps kann sich jedernach Belieben einschenken und erhält dazu noch ein Stück Kloberbrot.

Am Johannistag wird in der Kirche der Johanniswein geweiht. Diesergeweihte Haussegen, wie man ihn nennt, ist für Mensch und Vieh ost not-wendig. In den Bauernhäusern wird auch immer ein Haussegen aufbewahrt.An Stelle des Weihwassers wird er manchmal verwendet. Jm Frühjahr wirddas Saatgetreide mit Weihwasser und Haussegen geneßt.

Der Unschuldige- Kindl- Tag ist ebenfalls ein Bauernfeiertag. Dirnen undKnechte gehen an dieſem Tage zu ihren Eltern und Verwandten auf Besuch.

Am Sylvestertag fährt man mit dem Pendelſchlitten nach Reith bei Kitz-bühel. Um drei Uhr früh fährt man bereits ab. Der Meßner von Reith hateine große Geschicklichkeit in der Herstellung von wächsernen Tierfiguren.Solche Tierfiguren kauft man, läßt sie weihen und opfert sie auf dem Sylveſter-altar dem großen Viehpatron, dem hl. Sylvester, um im kommenden Jahr beimVich viel Glück und Segen zu haben. Der Sylvestertag ist auch Nauchabendund wird so gehalten wie der Heilige Abend.

Der Neujahrstag ist ein hochgehaltener Festtag wie der Christtag. Jeder-mann wünscht seinem Mitmenschen ein glücklichs neu's Jahr". Zu Mittagkommt am Neujahrstag ein ähnliches Effen und in gleicher Reichhaltigkeit aufden Tisch wie am Chriſttag.

Der letzte Rauchabend, der Dreikönigsvorabend, ist von vielem Glaubenumgeben. In dieser Nacht zieht die Percht, von der viele Sagen berichten, durchdas Land und stiftet, je nach Gelegenheit, Gutes oder Böses.

Am Dreikönigsvorabend gibt es keine Nudeln, wie an den anderen Rauch-abenden, sondern man bringt Perchtenkrapfen" auf den Tisch. Etliche StückePerchtenkrapfen stellt man auf die Labn, damit die Percht sie mitnehme unddafür Glück auf den Hof brinoen möge.

Am Dreikönigstag, der früher sogar festlicher gefeiert wurde als derWeihnachtstag, gibt es ebenfalls bessere Kost und dazu auch unzählige Vor-,Zu- und Nachspeisen. Solche Tage sind wenige im Jahre. Zu einem Festtaggehört auch ein entsprechendes Essen. So halten es die Bauern; denn ein Feſt-tag soll sich vom Werktag auseinander kenna" lassen.

Um Dreifönig beginnt das Sternsingen, welches bis Lichtmeß dauert undgern geübt wird. Mehrere gute Sänger richten sich zusammen und gehen zuden Bauern, wo man sie eingeladen hat es sind meistens Jahr für Jahr diegleichen und verbringen dort einen Abend mit fröhlichem Gesange. DasSternsingen von Haus zu Haus ist im Brixental wohl üblich, wird aber seltengeübt. Wenn die Sternsinger zu einem Bauern kommen, so wartet die ganze