13
Grabkreuzen, Bildstöcken und Marterln zu erwarten, soferne ihre In-schriften museumstechnisch gesichert wurden oder noch werden. Indiesem Zusammenhange verdienen die Totenschilder, die Toten-bretter 10) sowie die bemalten Totenköpfe und Schädelkaſten 11), dieals Zeugen eines volkseigenen Ahnenkultes oftmals auch genaue Mn-gaben oder zumindeſt Hinweise auf den genauen Todestag oder Codes-ort geben, besondere Beachtung. Nicht vergessen seien die Texte nonLeichenpredigten aus Nachlässen sowie die auf den Porträts des öfterenangebrachten Todes- und anderen Lebensdaten.
Belege für die Versippung liefern die mit volkstümlicher Malereiausgezierten Stamm- und Ahnentafeln, die unter verschiedenen Namenund zu verschiedenen Anlässen angefertigt wurden. Der„ Ehebaum"oder Familien- Blumenbaum" wurden bereits oben erwähnt; hier seinur noch ein aufchlußreiches Gratulationsbild( Inv.-Nr. 19.903) ge-nannt, das einem Vater zu seinem 50. Geburtstage gewidmet wurde.
Das Sippengerüst ſtellt wohl eine erste Grundlage dar, aber eistdie Erarbeitung der näheren Lebensumstände bringt weitere beacht=liche Bausteine zur Abrundung der Sippengeschichte. Auch hiefür be-herbergen die Volkskundemuseen reiches Material, das hier gleichfallsnur beispielsweise aufgezählt werden kann.
Die aus dem Zunftleben stammenden Sachgüter bringen vielfachgeeignete Hinweise auf Beruf und soziale Stellung. Aus der Gruppeder Zunftarchivalien seien nur die oft mit volkstümlicher Malerei aus-gezierten Lehr-, Gesellen- und Meisterbriefe, dann Handwerkeraus-weise, Zunft und Wanderbücher erwähnt. Auch das für die Zunft-geselligkeit charakteristische Geschirr läßt mit seinen Namens-, Orts-und Jahreszahlangaben ſippenkundliche Auswertung zu. In die gleicheGruppe gehören auch die Hauer- und Bauernkrüge, die nicht seltenneben dem vollen Namen oder den Anfangsbuchstaben des Besizer-namens auch den Ort und die Hausnummer nennen. Aushängeschilderfahrender Spielleute mit Rollen- und Darſtellerverzeichnis( z. V.Inv.-Nr. 19.767) laffen umfangreiches Namensmaterial cuswerten.Schließlich sei auch noch auf die auf verschiedenen Wegen in die Mu-seen gekommenen Militärabschiede, alte Reisepäffe, Originalbriefe,Freundschaftsbücher ſowie auf Sammlungen der Haus- und Brunnen-inschriften verwiesen.
IV.
Die kleine Auswahl der aufgezählten volkskundlichen Sachgüterdeutet die reichen Schäße der Volkskundemuseen an sippenkundlichenQuellen wenigstens an. Es nimmt nun wunder, daß die Sippenkund-ler an diesem reichen Quellenschatz in den meisten Fällen mehr oderminder achtlos vorübergegangen sind.
10) Karl von Spieß: Totenbretter. Zeugnisse volkseigener Weltanschau-ung in Ostereich. In: Germanen- Erbe, Bd. 3( 1938), S. 148 ff.
11) Marie Andree- Eysn: Volkskundliches aus dem bayrisch- öster-
reichischen Alpengebiet, 1910, S. 147 ff.