11
Archivalien in gerundeten Beständen zu sammeln, denn diese Aufgabebleibt den zuständigen Orts-, Kreis- und Gauarchiven vorbehalten. DieVolkskundemuſeen erwerben Urkunden und Akten in den ſeltenstenFällen um dieser Archivalien ſelbſt willen, sondern sie erhalten siemeist als Widmungen aus Familiennachlässen oder erwerben sie alsInhalt von Truhen, Kasten und Laden mit diesen Möbelstücken. AlsBeispiel sei hier lediglich die im Museum für Volkskunde in Wien( Juv.-Nr. 34.888)") ausgestellte Zunftlade der SchwanenstädterFleischhackerzunft genannt. Für die Aufnahme in das Museum war inerster Linie die gediegene Werkmaunsarbeit maßgebend, die dieseZunftlade auszeichnet. Die darin enthaltenen drei Zunstbücher undrund 240 Urkunden und Akten aus der Zeit zwischen 1628 und 1885bildeten keineswegs den Anreiz zur Aufnahme der Truhe in dieSammlung, sondern diese Archivalien mußten damals vom Muſeummiterworben werden und wären sicher zerstreut worden und verloren-gegangen, wenn nicht das Museum sie miterworben und dadurch ge-rettet hätte. Wenn aber Volkskundemuſeen Archivalien um ihrer selbstwillen erwerben, weil entweder ihr Inhalt für die volkstümliche Le-bens- und Geisteshaltung zeugt oder ihre Schrift und ihre gemalteAuszier volkstümliche Bildnerei belegen, dann ist es von vornehereinbegreiflich, daß nur ausgewählte Stücke, also wiederum nicht abge-rundete Gesamtbestände den Sammlungen eingefügt werden können.Gerundete Archivbestände in Volkskundemuſeen ſuchen zu wollen, wäresomit schon rein vorausschungsgemäß verfehlt.
Zum anderen ist auch zu beachten, daß die Museen nicht Archiv-abteilungen im geschichtlichen Sinne einzurichten haben, in denen derHistoriker oder Sippenforscher in Schubern und Faszikeln vorbereite-tes Material gewohnheitsmäßig und griffbereit zur Hand zu finden mitRecht erwartet. Die Ordnungsgrundsäße müffen in den Volkskunde-museen zwangsläufig andere ſein als in den Archiven. Sich mit diesenmusealen und volkskundlich- fachlichen, daher dem Sippenforscher unge-wohnten Ordnungsrichtlinien vertraut zu machen, ist im Interesse derSippenforscher gelegen, wollen sie die in den Museen verwährtenArchivalien auffinden und ertragreich für ihre Arbeitsgebiete aus-werten. Daß aber auch seitens der Museen noch einiges getan werdenfann, um den Sippenforschern den Zugang zu den sippenkundlichenQuellen der Volkskundemuseen zu erleichtern, wird später noch auf-gezeigt werden, nachdem diese Quellen in einer kleinen Auswahl be=sprochen wurden.
III.
Es ist unmöglich, auf knappem Raume alle gesammelten volks-kundlichen Gegenstände, die für die Sippenkunde quellenmäßigen Cha-rafter besitzen, aufzuzählen, so daß für eine erste Überschan eine kleine
9) Alle in Klammer beigefügten Inventarnummern nehmen auf die betreffenden Sammlungsstücke des Museums für Volkskunde in Wien Bezug.