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Sippenkundliche Quellen in Dolkskunde- Muſeen.
Von Erwin M. Auer, Wien.¹)
I.
Neben anderen Wissenschaften dienen auch Volkskunde undSippenkunde der Erforschung des Volkes. In der Eigenständigkeitdieser beiden Wissenschaftszweige liegt ihr verschiedener Aufgaben-bereich für die Volksforschung begründet. So sucht die Sippenkundedurch das Erarbeiten einzelner Sippengefüge der Führung und der ge-führten Schicht deren Blutbahnen und damit auch deren Erblinien auf-zuhellen, um einmal, wenn auch noch in weiter Ferne, schließlich überdie Sippengefüge der Stämme und Gaue die Grundlage für die Er-kenntnis des Erb bildes eines beſtimmten Volkes nach Bestand,Entwicklung und geschichtlicher Auswirkung bieten zu können. Und wiefür die Sippenkunde die Erforschung der Geschichte einer einzelnenSippe nicht Selbstzweck sein kann, ebenso wenig sieht die Volkskundein der wissenschaftlichen Bearbeitung des überlieferten Volksgutes undder durch Sitte und Brauch geordneten Gemeinschaftsbindungen ihreletzte Aufgabe. Ist die Volkskunde doch„ die Wissenschaft vom Volks-menschen", die auf den Erzeuger blickt,„ auch wo sie es mit Erzeug-nissen zu tun hat." 2) Mit der Untersuchung des„ Volkstums' in derangestammten Sprach-, Kultur- und Schicksalsgemeinschaft, Volk”“ ³)sucht die Volkskunde erfolgreich das Wissen um die Geistes- und Cha-rakterhaltung eines bestimmten Volkes zu ergründen und so zur Auf-hellung des seelischen Erscheinungsbildes des betreffɩn-den Volkes, und zwar nach Bestand, Entwicklung und Auswirkung,beizutragen.
Der hiemit lediglich angedeutete, verschiedene Aufgabenbreich vonSippenkunde und Volkskunde schließt jedoch nicht gemeinsame Berüh-rungspunkte aus. Es sei beiläufig nur auf die Gemeinsamkeit derhistorisch- philologischen Methode unter anderen Methoden oder auf diegemeinsame Nachbarschaft zu den Wissenschaften vom Leben, von derRasse und von der Gesellschaft oder auf die Gemeinsamkeit vielerQuellen hingewiesen. So untersucht etwa, um nur ein Beispiel heraus-zuheben, die Sippenkunde die Hausmarken, da diese sich nicht alleingelegentlich zu Wappen entwickelten, sondern auch für die überliefe-rungskraft in den einzelnen Sippen und für deren VerzweigungenZeugnis ablegen können. Für die Volkskunde hingegen gewähren die
¹) Nach einem Vortrag, gehalten auf der Jahresversammlung des Ver-eines für Volkskunde in Wien am 16. Mai 1940.
2) Luz Mackensen: über die Ziele und den Inhalt volkskundlichenSchaffens. In: Zeitschrift für Deutschkunde, 40. Jg.( 1926), S. 530.
3) Arthur Haberlandt: Die deutsche Volkskunde. Eine Grundlegungnach Geschichte und Methode im Rahmen der Geisteswissenschaften. In: Volk,Bd. 1, 1935, S. 79.