Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde46 (1941) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
46 (1941) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 
  

5

von Friesach in der Höll und an der Kirche von St. Leonhard imLavaanttale 3), der steinerne Türkenkopf an einem der jeßt weg-geriffenen Stadttore von Gmünd im Waldviertel*), vermutlich auchdie Wagnersäulen", wie die zu Hallstatt in Oberösterreich 5); dieweiteste Verbreitung scheinen aber die Brunnentürken gefunden zuhaben. Bis in die Gegenwart hat sich in vielen Gegenden, vornehmlichin Oberfärnten, die Erinnerung an die innere Beziehung zwischenTürkenkriegen und Brunnentürken erhalten.( Abb. 12.)

Der holzgeschnitzte Türkenkopf mit dem Turban oder das hölzerneKopfbruststück eines Türken verdrängte damals die sinnlos gewordenen Fraßen" vom Brunnenstock.

Verschiedene Umstände, nicht zu-letzt der durch die ständigeFeuchtigkeit des Standortes ge-förderte Fäulnisprozeß, tragendie Schuld daran, daß nurwenige dieser Figuren erhaltengeblieben sind. Von oſtmärkt-schen Museen hat anscheinendnur ein einziges, Professor Ha=berlandts Wiener Museumfür Volkskunde, einige dieser Türken" erworben. Graz undKlagenfurt besitzen keinen.

Abb. 4.200, Brunnen mit Türkenkopf,

Wiederweg, Gurktal, Kärnten.

Unsere Abbildungen 3-6zeigen drei in der Auffassungwie in der Schnitztechnik auf-fällig verschiedene Typen. Derangeblich aus dem Pustertalestammende, von wenig geübterHand roh geformte Türkenkopfdes Wiener Volkskunde- Mu- Aufnahme G. Graberſeums ist eine ausgesprochene,an die alten Brunnenfraßen er-innernde Schreckfigur, deren Gesicht mit dem halb geöffnetenMunde und dem schielenden Blick Wildheit und Grausamkeitwiderspiegelt. Menschen von gleicher Kopform und Gesichtsbildungwerden heute noch bisweilen bei den Turkvölkern angetroffen.Einen ganz anderen Typus mit rundem Kopf und breitem, sleischigenGesicht und mit einem Blick, der nicht Schrecken, sondern ein unge=wisses Grauen auslöst, zeigt Dr. Grabers Gurktaler Türke, deneigentlichen Osmanen verkörpert aber Kopfbruststück des Brunnen-türfen vom Rannerhof zu Radlach im oberen Drautale. Eine reife,fast fünstlerische Schnitztechnik hat ein Gesicht geschaffen, deſſen einzelne

3) Vergl. G. Graber, Volksleben in Kärnten, S. 36.Jetzt im Heimatmuseum zu Gmünd i. W.

Jezt im Wiener Museum für Volkskunde.